VECHTA - Ein ganz besonderes „Knasttagebuch“ hat Astrid Riese geschrieben. Am Dienstag, 23. Juni, stellte die Lohner Musikpädagogin im Konferenzraum der Vechtaer Justizvollzugsanstalt (JVA) für Frauen, An der Propstei 10, den Band „Viele Wege führen nach draußen....Klavierunterricht hinter Gittern“ vor.

Die mit Zeichnungen einer befreundeten Künstlerin illustrierten Erinnerungen (Startauflage: 1500 Exemplare) sind im Staccato Verlag (ISBN 978-3-932976-35-3) erschienen. Sie bieten dem Leser Erlebtes, aber auch mit Inhaftierten über zwölf Monate Durchlebtes. Es sind Momentaufnahmen aus einem Jahr, in dem Riese zu ihren Schülerinnen ins Gefängnis fuhr, Ansätze für die Debatte vom Drinnen und vom Draußen.

Die Erfahrungen aus dieser Zeit bezeichnet Riese, die ihren Beruf seit 25 Jahren ausübt, „eine Erweiterung meines pädagogischen Horizonts“. Im persönlichen Umgang mit den Schülerinnen, der sich oft als hochsensibel erwiesen, hat sie die Überzeugung gewonnen, dass dieser Form des Klavierunterrichts „eine wichtige Aufgabe“ zu kommt. So nennt sie das Projekt im Vorwort „ein Abenteuer, das bis heute unerhört spannend ist“.

„Viele Wege führen nach draußen....“ soll nach dem Willen der Autorin Diskussionen anstoßen, die zur Enttabuisierung des Themas Frauen in Haft beitragen. Den Weg dorthin können Lesungen – auch vor Ort – ebnen.

Klavierstunden für Häftlinge erteilt Riese in der JVA-Frauen (Vechta) seit April 2006 (die NWZ berichtete). Bis Ende März sicherte eine Stiftung die Finanzierung. Derzeit engagiert sie sich ehrenamtlich. Die Schülerinnen, sechs Frauen, beteiligen sich nach ihren finanziellen Möglichkeiten. In der Haftanstalt beträgt ein „Monats-Durchschnittsverdienst“ etwa 150 Euro. Zwei Benefizkonzerte in der Klosterkirche „Am Franziskanerplatz“ (5. September, „Szenzareplica“, Bläserphilharmonie Varel; 13. September, Kammerorchester Lohne) sollen das Resozialisierungsangebot sichern helfen.