• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Handball 1. Bundesliga, Frauen VfL Oldenburg

Türöffner Willi Lemke putzt eifrig Klinken

17.03.2017
Frage: Herr Lemke, Sie sind ein viel beschäftigter Mann. Nach Jahrzehnten im Fußball und vielen Jahren in der Politik engagieren Sie sich seit sechs Wochen für die Handballerinnen des VfL Oldenburg. Wie kam es dazu?

Lemkes Karriere

Willi Lemke fungierte von 1981 bis 1999 als Manager beim Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Zwischen 2003 und 2016 gehörte der heute 70-Jährige dem Aufsichtsrat des Vereins an – von 2005 bis 2014 als Vorsitzender. Der Deutsche Fußball-Bund zeichnete Lemke 2016 für sein Engagement mit dem DFB-Integrationspreis aus.

Außerdem war der SPD-Politiker Lemke neun Jahre lang als Bildungs- bzw. Innensenator in der Bremer Politik aktiv. Zuletzt war er als Sonderberater Sport für den UN-Generalsekretär (2008 bis 2016) international im Einsatz.

Seit Februa r dieses Jahres unterstützt Lemke als VfL-Berater den Oldenburger Handball-Bundesligisten bei der Suche nach Sponsoren.

Willi Lemke (70): Das ist relativ leicht zu beantworten. Der Trainer des VfL, Leszek Krowicki, hat mich zur Tagesschau-Zeit – irgendwann Anfang Januar – angerufen. Ich kenne ihn. Ich meine, es muss 1994 gewesen sein, als wir gemeinsam in Bremen unsere großen Siege gefeiert haben. Also Werder den DFB-Pokal, er mit dem TuS Walle den Europapokal. Er rief an und sagte: „Wir haben ein großes finanzielles Problem und wissen nicht, wie wir das lösen können.“ Witzigerweise hatte er wiederum den Tipp vom Hausmeister des VfL bekommen, dass ich ab 31. Dezember, wie der Engländer sagt, „between the jobs“ war – also arbeitssuchend. Insofern kam der Anruf für mich überraschend, andererseits habe ich mich gefreut, weil ich gedacht habe: Na ja, ein Bundesliga-Frauenteam im Handball, das kann ja nicht so stressig sein wie 400 000 Meilen im Jahr durch die Welt zu fliegen.
Frage: Und? Sehen Sie das heute – wenige Wochen später – noch genauso?
Lemke: Nun, einen Fußball-Bundesligisten zu vermarkten ist 20-mal einfacher als ein Bundesliga-Frauenteam im Handball. Das habe ich mir am Anfang ein bisschen leichter vorgestellt. Ich musste mich auch erstmal ein wenig reinkämpfen in die Strukturen dieser Stadt. Heute weiß ich, dass die profilierte VfL-Mannschaft ein Aushängeschild ist. Glauben Sie, dass jemand wüsste, wo Kaiserslautern auf der Landkarte liegt, wenn dort nicht ein Bundesligist spielen würde? Das ist mit Oldenburg nichts anderes. Machen wir uns nichts vor. Die Rolle des Werbeträgers nehmen die Basketballer und Handballerinnen in dieser Stadt ein. Deswegen appelliere ich an alle, die Oldenburg, die die Region lieben, diesen Sympathieträger zu stärken und nicht kaputtgehen zu lassen. Alles ist fokussiert auf Fußball, Fußball, Fußball.
Frage: Sagt ausgerechnet der Fußball-Mann, der für „Lebenslang Grün-Weiß“ steht . . .
Lemke: Das ist richtig, aber es geht auch darum, dass die Randsportarten – dazu zählt Frauenhandball – nicht auf der Strecke bleiben. Ich sage: Das sollte sich eine kleine stolze Stadt als Oberzentrum nicht leisten. Die Frauen haben gerade im Europapokal Oldenburg bestens vertreten. Was meinen Sie, wie wichtig für eine Stadt jede Form von Werbung ist? Denken Sie an die Universität in Oldenburg. Auch sie ist ein Leuchtturm, auf den man nicht verzichten kann. Deswegen sage ich: Da wo Ihr Stärken habt, Ihr Oldenburger, ein weiteres Beispiel ist die Fußgängerzone, die müsst Ihr stärken. Kurzum, unterstützt die Handballfrauen, die machen einen riesigen Job, für die Stadt, für die Region.
Frage: Wenn Sie mich als Sponsor für die Handballfrauen gewinnen wollten, mit welchen Worten würden Sie versuchen, mich für ein Engagement zu begeistern?
Lemke: Ich sage, es gibt in Bremen einen großen Sportverein mit einer starken Fußballmannschaft. Das ist Werder. Der strahlt weit über die Landesgrenzen des kleinen Bundeslandes hinaus – ins Umland, national und international. Das hat für Bremen eine wunderbare Strahlkraft, die der Senat niemals haben wird. Wenn Sie fragen: Wer ist Trainer bei Werder, wissen das viele Menschen in Deutschland. Fragen Sie nach dem Bürgermeister. Dann sieht das anders aus.
Frage: Was heißt das nun für Oldenburg?
Lemke: Das Beispiel sollte einfach die Strahlkraft eines solchen Vereins verdeutlichen. Und jetzt kommen wir zu Oldenburg. In dieser Stadt gibt es die EWE Baskets. Sie spielen seit Jahren auf hohem Niveau in der Bundesliga und im Europapokal. Doch der große Bruder hat in dieser Stadt eine kleine hübsche Schwester, die Handballerinnen des VfL Oldenburg. Dieser Club ist in keiner Weise weniger erfolgreich. Auch die VfL-Frauen strahlen weit über Oldenburg hinaus, feiern Jahr für Jahr große Erfolge in der Bundesliga – und wenn man sie lässt – auch international. Nur, diese kleine Schwester hat viel, viel größere Probleme als der große Bruder.
Frage: Der Energieversorger EWE zieht sich als Hauptsponsor des VfL stufenweise zurück. Das kann nicht das letzte Wort gewesen sein, meinten Sie bei Ihrer offiziellen Vorstellung als VfL-Berater. Haben Sie schon einen Vorstoß gewagt?
Lemke: Ich habe immer noch ein bisschen Hoffnung, dass man da das eine oder andere machen kann. Und ich werde, wenn es sich rund um die EWE etwas beruhigt hat, einen Vorstoß wagen. Vielleicht bekommen wir für die Zukunft etwas hin. Ich bin jedenfalls vorsichtig optimistisch. Damit der Verlust des großen Sponsorenvertrags, der jetzt infrage gestellt wird, nicht wie so ein Hammer auf die VfL-Frauen niedersaust. Vielleicht kann man das doch behutsamer gestalten, damit der Verein an diesem Rückzug nicht kaputtgeht.
Frage: Aktuell fehlen dem VfL mit Blick auf die kommende Spielzeit 150 000 Euro, im Sommer 2018 verdoppelt sich dieser Fehlbetrag nach dem Rückzug des Hauptsponsors. Wie lässt sich diese Etatlücke schließen?
Lemke: Wie gesagt, mit der EWE, einem großartigen Oldenburger Unternehmen mit beeindruckender Ausstrahlung, sollte nochmal gesprochen werden. Meine Hoffnung ist, dass wir zusätzlich weitere Sponsoren finden. Wir reden ja nicht über ganz großes Geld. Mein Ziel ist es, ja mein Wunsch, acht bis zehn Sponsoren aufzutun, die letztlich 150 000 Euro zum Bundesligaetat beisteuern.
Frage: Der VfL setzt große Hoffnungen in den „Türöffner“ Lemke. Was konnten Sie in der Kürze der Zeit schon bewegen?
Lemke: Ich habe das Feld sondiert, einige gute Freunde und Kollegen kontaktiert. Die haben mich inhaltlich auf die Situation in Oldenburg eingestimmt. Als erstes bin ich natürlich beim Oberbürgermeister aufgeschlagen, der auch seine Hilfe signalisiert. Ich habe sicher schon mit zehn verschiedenen Firmen gesprochen. Mit zwei weiteren Sponsoren habe ich konkrete Gespräche geführt und das gute Gefühl, dass auch von dort eine Unterstützung kommt. Und ich habe noch mindestens 20 Unternehmen auf meiner Liste, die ich langsam und vorsichtig abarbeite. Ja, ich gehe Türklinken putzen, wenn ich das so sagen darf.
Frage: Ihr Berater-Vertrag endet am 30. Juni. Ist für Sie das Thema Oldenburg dann beendet?
Lemke: Warten wir mal ab. In meinem Alter plant man nicht auf Jahre. Meine Aufgabe ist es, den Verantwortlichen des VfL Oldenburg bis Ende Juni ein Paket zu präsentieren, das alles beinhaltet, damit Club, Trainer und Team vernünftig weiterarbeiten können. Es wird finanziell nicht besser werden. Das ist heute schon klar. Jetzt geht es erst einmal darum, den Status quo zu erhalten. Ob ich darüber hinaus für den VfL aktiv bleibe, das muss man dann sehen.
Frage: Der VfL Oldenburg ist seit drei Jahrzehnten fest in der Region verankert. Kommt der Verein da überhaupt als Werbeträger für einen überregionalen Sponsor infrage?
Lemke: Warum nicht? Ein Beispiel: Ich hatte gerade einen großen internationalen Kontakt. Über die Schwester des früheren US-Präsidenten Barack Obama, Dr. Auma Obama, bin ich an den herangekommen. Dann wurde ich aber von Zürich nach Wien vermittelt, wo ich schließlich doch eine Absage erhielt. Leider. Aber Sie sehen, ich versuche auf allen Klavieren zu spielen, um wirklich nichts auszulassen. Ich werde auf jeden Fall auch andere ausländische Kontakte nutzen. Ob es etwas bringt, mal sehen.
Otto-Ulrich Bals Autor
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.