Visbek/Neuenkirchen-Vörden - Traumatisierungen von Frauen nehmen auch im Oldenburger Münsterland zu. Aus Anlass des internationalen Tags der Gewalt gegen Frauen am 14. Februar forderte Dr. Thomas W. Heinz, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer der Fachkliniken St. Marien Neuenkirchen-Vörden und St. Vitus Visbek, mehr Hilfe für Traumatisierte.
83 Prozent der Patientinnen in der Fachklinik St. Vitus kämen mit Gewalterfahrungen (viele nach sexualisierter Gewalt), entsprechenden Folgeerkrankungen und Einschränkungen in der Teilhabefähigkeit an sozialem und Arbeitsleben, sagte er. Intensive stationäre Traumatherapie helfe hier „einen Weg zurück zu bahnen, um trotz Scham- und Schuldgefühlen sich wieder aufzurichten“.
In diesem Zusammenhang unterstrich der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Traumatherapeut die Bedeutung von Traumaambulanzen. Die erste Traumaambulanz in der Region zu eröffnen, sei vor diesem Hintergrund eine grundrichtige Entscheidung des Landkreises Vechta gewesen.
Heinz mache die Erfahrung, dass sich auch das Spektrum der Traumatisierungen verändere. Es reiche von sexueller Belästigung oder Nötigung über Demütigung, Beleidigung, Prügel, Bedrohung, soziale Kontrolle bis hin zu Stalking sowohl zuhause als auch am Arbeitsplatz. Die Opfer seien zu 80 Prozent Frauen. Heinz ruft Betroffene auf, nicht zu lange zu zögern, sondern sich rechtzeitig in der Traumaambulanz zu melden. Nur so könne effektiv geholfen werden.
Die niedrigschwellige Traumaambulanz haben die Fachkliniken St. Marienstift und St. Vitus in Kooperation mit dem Landkreis Vechta ins Leben gerufen. Sie solle Opfern von Gewalt jeder Art offenstehen, so Heinz. Sie ist eingebunden in ein landesweites Hilfsprogramm des Traumanetzwerks Niedersachsen. Betroffene können sich direkt an die Einrichtung wenden. In der Traumaambulanz wird dann umgehend eine Diagnose gestellt und die Gewaltopfer werden in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend, Familie therapiert.
Behandelt werden unter anderem Fälle von krimineller Gewalt, sexualisierter und häuslicher Gewalt sowie Unfallopfer, Opfer berufsbedingter Traumatisierungen und Zeugen einschneidender Ereignisse. Die Traumaambulanz hilft mit psychotherapeutischen Soforthilfe-Sitzungen, Indikationsstellung, Traumatherapie, Antrag auf Soforthilfe für Opfer von Gewalttaten und Unterstützung bei der Suche nach einem längerfristigen Therapieplatz.
