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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Visbek

                 debatte: Wer trägt Kosten für Tierwohl?

05.07.2017

Visbek „Wir haben geliefert. Wir haben investiert. Wir nehmen einen höheren Zeitaufwand und höhere Kosten in Kauf. Alles für das Tierwohl. Eine entsprechende Gegenleistung bekommen wir aber bislang nicht“, sagte Friedrich-Otto Ripke auf einer Vortragsveranstaltung der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft im Gasthaus Hogeback in Visbek. Und das sei, so der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, für die Nutztierhalter existenzgefährdend. Das könne so nicht weiter gehen. Lösungen seien gefragt. Die Steigerung des Tierwohls – also bessere Haltungsbedingungen für Tiere – würde schließlich mehrere Milliarden Euro kosten, doch die Frage nach der Finanzierung sei bis heute nicht beantwortet.

Um eben diese zentrale Frage drehte sich die Debatte am Dienstagmorgen im voll besetzten Saal. „Tierwohl – Wer trägt die Kosten“ war die Podiumsdiskussion, zu der die Niedersächsische Geflügelwirtschaft seine Mitglieder eingeladen hatte, überschrieben. Nötig sei ein Realismus-Bündnis mit der Politik und über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, forderte Ripke. Tierhalter, Verarbeiter, Vermarkter, Lebensmitteleinzelhandel, Großverbraucher und Verbraucher seien letztendlich gefordert, Produkte mit dem Mehrwert Tierwohl einerseits zu produzieren und andererseits mit einem Tierwohl-Aufschlag oder Tierwohlabgabe zu bezahlen.

Ein staatliches Tierwohl-Label kann sich Dr. Hermann Onko Aeikens vorstellen. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft betonte, dass der Verbraucher beim Tierschutz sensibel sei, „und dem müssen wir begegnen“. Da sich andere Labelkonzepte bislang noch nicht durchgesetzt hätten, brauche man ein staatliches Siegel, das beim Verbraucher hohes Vertrauen genießen würde. „Es ist ein Versuch wert zu schauen, ob der Konsument bereit ist, mehr für Produkte mit dem Tierwohl-Label zu zahlen“, so Aeikens. Der Mehrpreis käme den Erzeugern, die sich freiwillig an entsprechende Standards halten würden, zugute.

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„Ein höheres Niveau verursacht höhere Kosten“, machte der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Gert Lindemann eine einfache Rechnung auf. Lindemann ist Vorsitzender des Kompetenzkreises Tierwohl des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Und er stellte klar: „Die Kosten können nicht von einer Berufsgruppe alleine getragen werden.“ Er sei nicht davon überzeugt, dass ein Label genug Geld abwerfe. Zwar würden bis zu 30 Prozent der Bevölkerung bereit sein, mehr für ein Label zu zahlen, doch ein Allheilmittel sei das nicht, denn „der Rest schielt weiter nach dem Preis“. Lindemann forderte vielmehr eine Abgabe, also eine Steuer, auf jedes in Deutschland gehandelte Fleischprodukt. Und: „Das Geld muss beim Landwirt ankommen.“

„Wir müssen einen gemeinschaftlichen Konsens finden“, sagte Dr. Ludger Breloh, Bereichsleiter Strategie und Innovation im Agrarsektor der Rewe-Group. Tierwohl-Mehrwert müsse bezahlt werden, so Breloh, „doch der Handel kann nicht alle Kosten übernehmen“. Die Fonds-Initiative Tierwohl, in die fünf große deutsche Lebensmittelhändler jährlich 145 Millionen Euro einzahlen würden, sei mit Blick auf die Milliardenkosten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Er plädierte für einen Mix aus Tierwohl-Fonds, höhere Beiträge durch den Konsumenten sowie eine staatliche Kofinanzierung.

Thomas Korte ist Masthähnchenhalter, Landwirt und Vorstandsmitglied im Bundesverband bäuerlicher Hähnchenerzeuger. Er versicherte, dass die Tierhalter gerne mit Tieren arbeiten würden, Spaß an der Arbeit hätten und gerne beim Tierwohl mitmachen würden. Er wisse aber auch, dass die Kunden nicht bereit seien, mehr zu zahlen. Ohne eine verlässliche Finanzierung der höheren Standards schaue man aber in eine ungewisse Zukunft, denn der Landwirt trage das Risiko derzeit alleine. Dabei brauche es Vertrauen und Verlässlichkeit, um auch weiter und für die nächste Generation in den Betrieb zu investieren. Reelle Lösungen sehe er nach der Debatte am Montag allerdings nicht.

Bis spätestens 2020 soll es ein Konzept geben, kündigte Ripke an.

Carsten Bickschlag Redaktionsleitung Cloppenburg/Friesoythe / Redaktion Münsterland
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