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Beachvolleyball: Turniere an Ostsee statt an Copacabana

19.08.2020

Hamburg /Bremen Brasilien gestrichen, Rom abgesagt, kein Major vor 10 000 Fans in Hamburg – noch immer leidet der Beachvolleyball heftig an den Folgen der Corona-Pandemie. Auf der Welttour gibt es zwar kleine sogenannte Ein-Sterne-Turniere. In Deutschland öffneten die von Athleten selbst gegründete Beach-Liga und die nationale Tour Spielmöglichkeiten. Doch die Vier- oder Fünf-Sterne-Events, auf denen Punkte für die Olympia-Qualifikation vergeben werden, sind nicht in Aussicht.

Training an der Ostsee

„Das hat uns das komplette Ziel für die Saison genommen“, sagte Sandra Ittlinger aus Berlin, die mit ihrer Partnerin Chantal Laboureur (Stuttgart) eigentlich auf dem Weg nach Tokio noch die Etablierten der Branche wie die Hamburger Olympiasiegerin Laura Ludwig und Margareta Kozuch angreifen wollte.

Maximal je zwei Frauen- und Männer-Teams pro Land können bei den auf den Sommer 2021 verschobenen Olympischen Spielen dabei sein. Kriterium ist die Platzierung in der Weltrangliste. Die Qualifikations-Punkte sind eingefroren: Nach derzeitigem Stand würden Ludwig/Kozuch und die deutschen Meisterinnen Karla Borger und Julia Sude (Stuttgart/Friedrichshafen) in Japan dabei sein. Bei den Männern stehen als einziges deutsches Team die Vize-Weltmeister Julius Thole und Clemens Wickler (Hamburg) auf einem Olympia-Platz.

„Wenn es keine Turniere mehr gibt, ist alles für die Katz“, beschrieb die 26-jährige Ittlinger. Statt Reisen an die Copacabana – Rio de Janeiro ist gern auch Trainingsort – wird 2020 die Ostsee zum Sehnsuchtsziel. Mit viel Aufwand sollen zumindest die deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand im September durchgezogen werden.

Gang vor Gericht

Auch wirtschaftlich spüren die Beach-Profis die Wucht der Corona-Krise. Rund 100 000 Euro kostet unter normalen Bedingungen die Spitzenteams eine Saison auf der Welttour. Die Preisgelder bleiben oft als einziger Verdienst. Wie die anderen Nationalteams genießen Ittlinger/Laboureur zumindest weiter die Unterstützung des Verbandes.

Andere Duos wie die gebürtige Bremerin Kim Behrens und Cinja Tillmann (Münster), denen der Status Nationalteam fehlt, müssen noch mehr kämpfen. Auch wenn ihnen die meisten Sponsoren treu blieben, mussten einige ihre Leistungen wegen der Corona-Krise kürzen. „Sportsponsoring ist für sie erstmal zweitrangig. Das verstehen wir auch“, sagte Behrens.

Ohnehin schleppt das Team Altlasten mit sich herum. Denn obwohl sich Behrens/Tillmann sportlich die Qualifikation für einige Welttour-Turniere erkämpft hatte, meldete der Deutsche Volleyball-Verband nach Weltranglisten-Punkten schlechter stehende Nationalteams für die Events. Das Duo hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen den DVV eingereicht, die jüngst zugelassen wurde. „Das ist das erste positive Zeichen“, sagte Behrens, die Polizistin ist.

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