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NWZonline.de Region

E-Books vs. Papier – Was setzt sich durch?

07.12.2016
Frage: Liegt ein Buch auch als E-Book vor, dann gibt es die Deutsche Nationalbibliothek jetzt nur noch als E-Book an Nutzer heraus. Halten Sie es an Ihrer Oldenburger Uni-Bibliothek, die Sie leiten, auch so?
Wätjen:: Nein, aber man muss dazu sagen, dass sich die Bestände und Aufgaben der Bibliotheken auch deutlich unterscheiden: Die Deutsche Nationalbibliothek hat überwiegend eine nationale Archivfunktion, wir als Uni-Bibliothek sind vor allem für die Studierenden und Wissenschaftler in Oldenburg da.
Frage: Versuchen Sie, stets ein gedrucktes Werk für Ihre Uni-Bibliothek zu kaufen?
Wätjen: Nein, nicht mehr in jedem Fall. Wir erwerben sehr viele E-Book-Lizenzen, ohne das gedruckte Buch zu kaufen, das ist im wissenschaftlichen Bereich üblich. Mithilfe ihrer Kennung und ihrem Passwort können Studierende und Wissenschaftler dann vom Campus, aber auch von zu Hause aus auf die Bücher zugreifen. Das ist sehr bequem; auch beim Zitieren kann man leicht kopieren und einfügen, ohne dass wie früher beim Abschreiben Fehler entstehen können.
Frage: Haben die Studierenden überhaupt noch Interesse am Buch in Papierform?
Wätjen: Ja, durchaus. Ich persönlich halte auch noch ganz viel vom guten alten Buch: Man kann schnell vor- und zurückblättern, es auch ins Regal stellen, auch mal Eselsohren reinmachen, Sätze unterstreichen und an den Rand Notizen schreiben – aber bitte nur in den Privatexemplaren! Das gute alte Buch, schön gedruckt, ist auch angenehm zu lesen: schwarz auf weiß und ohne Akkus!
Bald ein Bild mit musealem Charakter? Bibliotheksleiter Hans-Joachim Wätjen unter gedruckten Büchern BILD: Uni-Bibliothek

Zur Person und zur Nationalbibliothek

Hans-Joachim Wätjen (64) ist Bibliotheksdirektor an der Uni Oldenburg. Zur Bibliothek gehören die Standorte Zentralbibliothek Campus Haarentor und Bereichsbibliothek Campus Wechloy. Jährlich zählt man etwa 800 000 Besucher und 690 000 Ausleihen.

Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB) mit ihren Standorten Frankfurt/Main und Leipzig ist Deutschlands größte Bibliothek. Seit November heißt es dort: „Liebe Benutzer, ist ein Werk sowohl in elektronischer (digitaler) als auch in gedruckter Ausgabe vorhanden, so erhält die digitale Ausgabe ab sofort den Vorzug bei der Bereitstellung.“ Viele Nutzer sehen das kritisch und sprechen von einer „Zwangsdigitalisierung“.

Frage:
Frage: Lesen Sie selbst E-Books?
Wätjen: Nein, nicht zum Vergnügen, aber ich habe mir gerade zum Arbeiten ein neues iPad mit Tastatur und elek­tronischem Stift gekauft. Damit kann ich unterwegs in der Datenwolke mit meinen Dateien arbeiten, darin handschriftliche Notizen machen, Text markieren und unterstreichen, zeichnen und vieles mehr. Aber: Das Schreiben auf richtigem Papier und in Büchern finde ich persönlich angenehmer.
Frage:
Frage: Die Deutsche Nationalbibliothek argumentiert gegen Kritiker auch mit dem Kostenargument, digitale Exemplare nutzen sich nicht ab. Es heißt zudem, dass viele Leser die Bücher schlecht behandeln.
Wätjen:: Das machen die Leser natürlich nicht in böser Absicht, aber jeder Gebrauch eines Buches hinterlässt Spuren. Wir müssen aus unseren Beständen daher laufend beschädigte Bücher aussondern oder reparieren lassen. Bücher brechen auseinander, und aus Taschenbüchern werden Loseblattsammlungen. Viel benutzte Bücher müssen wir immer wieder neu kaufen. Das elektronische Buch verbraucht sich dagegen nicht, allerdings sind die Lizenzen teilweise sehr teuer. Nur ein Beispiel: Das „Handbook of Science and Technology Convergence“ kostet in der elek­tronischen Version 510,51 Euro, als gedrucktes Buch dagegen 459,03 Euro und zusammen 717,91 Euro.
Frage: Bleiben die Inhalte der E-Books auf dem Server des jeweiligen wissenschaftlichen Buchverlags?
Wätjen:: Das ist richtig. Wir können da jederzeit zugreifen, allerdings sind es teilweise Jahreslizenzen, je nach Vertrag können wir aber auch archivieren. Die wissenschaftlichen Bibliotheken denken inzwischen deutschlandweit und auch international darüber nach, insbesondere bei Zeitschriften mit einem eigenen Archiv-Server verlagsunabhängiger zu werden.
Frage: Könnte bei der Nutzung Ihrer E-Books das Leseverhalten ausspioniert werden?
Wätjen: Das Leseverhalten wird nicht erfasst. Der Verlag registriert aber die Anzahl der Zugriffe auf die verschiedenen E-Books. Diese Statistiken nutzen auch uns, um bedarfsgerecht die Lizenzen zu verlängern oder neue zu erwerben.
Frage: Spart man viel, wenn nur noch E-Books da sind?
Wätjen: Man spart vielleicht Personal im Lesesaal und im Magazin – aber der Kauf und die Verwaltung der teuren Lizenzen sind auch arbeitsaufwendig. Wir kaufen nach wie vor Bücher und Zeitschriften in Papierform, letztes Jahr immerhin 23 000 Bände und darüber hinaus viele E-Books, die ja in der Regel viel teurer sind. Inzwischen geben wir deutlich über 60 Prozent unseres Erwerbungsetats für den Ankauf elektronischer Bücher, Zeitschriften und Datenbanken aus. Die Waage neigt sich in Richtung Digitalisierung. Ich bin mir aber sicher, dass das Papier nicht gänzlich verschwinden wird.
Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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