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Aktualisiert vor 24 Minuten.

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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Wangerland

„Geringe Leute“ proben Aufstand

05.09.2015

Wangerland Sommer 2015: Unter massigen Wolken fahren die Landwirte im Friedrich-Augusten-Groden mit hochtechnisierten Mähdreschern oder Kartoffelrodern die Ernte des Jahres ein. Fruchtbare Marsch erstreckt sich hier im Norden des Jeverlands zwischen Friederikensiel und Carolinensiel, bis weit hinter die „Goldene Linie“. Ein friedliches Fleckchen Erde abseits der aufgeregten Zeit.

Das war nicht immer so! Wir blicken 250 Jahre zurück: Bei der Eindeichung des rund 500 Hektar großen Grodens kam es zu Deicharbeiteraufständen: Laway!

„Der Kajedeich wurde schon Ende März 1765 in Angriff genommen, durch eine Sturmfluth im April aber fast gänzlich wieder zerstört“, schreibt O. Tenge in „Der Jeversche Deichband“ (Oldenburg 1884). Und weiter: „Bereits bei dieser Arbeit entstanden unter den Arbeitern Unruhen, welche aber durch Requisition von Militär gedämpft wurden.“

Am 14. Mai stürmten die Arbeiten dann das Vorwerk „Friederikenhausen“ und bedrohten die jeverschen Regierungsräte, so dass diese nach Hohenkirchen flohen. Beim Sturm auf das Vorwerk holten sich die ausgehungerten Deicher mit Koyerstangen die Suppenhühner vom Tisch der Kammerherren, heißt es. Das anrückende Militär zog sich vor 1700 bis 1800 streikenden Deichern zurück.

Im Lauf des Sommers 1765 gab es immer wieder Unruhen unter den Deichern und schließlich wurde noch mehr Militär angefordert. Der jeversche Schriftsteller Oswald Andrae (1926 bis 1927) hat die Ereignisse von damals recherchiert und in mehreren Werken verarbeitet. „Laway – oder: die Freiheit, für die Herren zu schuften, zu hungern, aufzumucken und erschossen zu werden“ heißt ein Feature für Radio Bremen, das 1973 ausgestrahlt wurde. Als Schallplatte wurde „Dat Leed van de Diekers“ produziert (Musik Helmut Debus, Atelier im Bauernhaus, 1982). Glanzpunkt ist eine szenische Chronik als Auftragsarbeit für das Oldenburgische Staatstheater über den Aufstand der Deicher (1983).

Das preußische Militär – inzwischen auf 150 Mann verstärkt – schoss mit Kanonen auf die revoltierenden Arbeiter, recherchierte Oswald Andrae. Es gab Tote und Verletzte. Dabei wollten sie nur eines: Gutes Geld für schwere Arbeit, ordentliche Verpflegung und trockene Unterkünfte. Stattdessen wurden sie von Soldaten und Bauern des Wangerlands zur Arbeit geprügelt.

„Nachdem noch einmal gefeuert worden war, zerstreuten sich die Angreifer“, schreibt Chronist Tenge. Am Abend habe man den aufsässigen Deichern „allgemeinen Pardon“ gewährt, wenn sie ruhig wieder an die Arbeit gingen, denn der Deich musste bis zum Herbst geschlossen sein.

Obwohl am 24. September die erste Herbstflut den Kajedeich beschädigt hatte, konnten die Regierungsvertreter aus Jever und Aurich den Deich am 24. Oktober abnehmen. Die Arbeiter wurden nach Hause geschickt.

Deichgraf Anton-Günther von Münnich hatte sie als „geringe Leute“ (dat minner Volk) herabgesetzt. Für die „hohen Herren“ bestellte man Silbergeschirr in Hamburg als Präsente, unter anderen für den Kommandeur des preußischen Militär-Detachments, der auf die Arbeiter schießen ließ.

Die Kosten der Eindeichung hatte die anhaltinische Landesherrschaft übrigens nach wenigen Jahren durch Pachten und Landverkauf wieder vereinnahmt.

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