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Wangerland Touristik Angst vor Image-Verlust geht um Wogen noch nicht geglättet

Melanie Hanz

HOHENKIRCHEN - Die Wangerland Touristik GmbH (WTG) plant in ihrem Wirtschaftsplan für 2011 mit einem Minus von 33 600 Euro, nachdem im Jahr 2010 ein Plus von rund 300 000 Euro erwirtschaftet worden war. Wie WTG-Geschäftsführerin Ute Draschba am Mittwochabend im Wangerländer Finanzausschuss in Hohenkirchen erläuterte, konnte das Plus im vergangenen Jahr durch die Mehrwertsteuersenkung im Gastgewerbe von 19 auf 7 Prozent und durch Grundstücksverkäufe erwirtschaftet werden.

Durch die Mehrwertsteuersenkung nimmt die WTG auf den Campingplätzen bei gleich gebliebenen Brutto-Preisen einige Euro pro Platz mehr ein. Insgesamt kamen 150 000 Euro Mehreinnahmen zusammen. Zugleich investierte die WTG in die Campingplätze, um sie qualitativ weiter aufzuwerten.

„Der strikte Konsolidierungskurs der Wangerland Touristik war die richtige Entscheidung“, betonte Draschba mit Blick auf die Zahlen. Sie lobte die Mitarbeiter der WTG, die mit guten Ideen Kosten gesenkt und dazu beigetragen hätten, die WTG als Wirtschaftsunternehmen aufzustellen. „Sicherlich funktioniert das Miteinander in der WTG nicht ganz geräuschlos – das kann es auch nicht nach gerade mal eineinhalb Jahren Konsolidierungskurs“, sagte sie mit Blick auf den Vorwurf mangelnder Führungsqualität, der ihr von Teilen der Belegschaft gemacht wird (die

NWZ

  berichtete). „Wir sind auf dem richtigen Kurs“, betonte Draschba.

Das sahen manche Mitglieder des Finanzausschusses allerdings anders: Reinhard Onnen-Lübben (FDP), Frank Rose (CDU), Sonja Janßen (SPD) und Ellmer Cramer (UWW) kritisierten, dass die Wangerland Touristik 2011 überhaupt keine Investitionen in die touristische Infrastruktur plane. „Wir dürfen uns nicht kaputt sparen“, sagte Rose. Janßen wies auf den dringenden Modernisierungsbedarf beim Hallenwellenbad Hooksiel und bei der Wangerland Reha hin und Cramer vermisste die Nachhaltigkeit: „Die zwei Jahre, von denen wir vom boomenden Nordseetourismus profitiert haben, sind um“, meinte er. Durch den Sparkurs verliere das Wangerland seine Stellung als größtes Urlaubsziel an der Küste und seinen hervorragenden Ruf.

Bürgermeister Harald Hinrichs, Klaus Lammers (SPD) und Hugo Pannbacker (FDP) verteidigten den Wirtschaftsplan: „Wir können Investitionen nicht mehr über Kredite finanzieren“, sagte Hinrichs. Er sei froh, dass es der WTG nach vielen Jahren wieder gelungen sei, einen Wirtschaftsplan einzuhalten. Lammers erinnerte daran, dass auch früher unter Kurdirektor Reinhard Thomssen der Wirtschaftsplan der WTG schon eng gestrickt gewesen sei. „Doch dann lief er regelmäßig aus dem Ruder“, sagte er.

Der Wirtschaftsplan wurde mit fünf Ja-Stimmen von der Mehrheitsgruppe, drei Enthaltungen der CDU und einer Gegenstimme von der UWW beschlossen.

Auch eineinhalb Jahre nach dem Wechsel an der Spitze der Wangerland Touristik haben sich die Wogen im Wangerländer Rat noch nicht geglättet. Das wurde in der Finanzausschusssitzung nur zu offensichtlich.

Die alte Seilschaft der ehemaligen WTG-Aufsichtsratsmitglieder funktioniert noch immer. Und statt Debatten über die Sache stehen Empfindlichkeiten und persönliche Angriffe auf Geschäftsführerin Ute Draschba im Vordergrund.

Die Sorge, dass der strenge Sparkurs sich auf die Reputation des Wangerlands auswirken wird, mag angesichts der Millionen-Investitionen, die andere Urlaubsorte an der Nordseeküste wie Carolinensiel mit seinem Campingplatz-Ausbau stemmen, verständlich sein. Andererseits kann die WTG auf zahlreiche neue Veranstaltungen wie das Friesen-Festival oder den Wangerländer Herbst verweisen, bei denen viele Wangerländer mit im Boot sind.

Klar ist: Die hoch verschuldete WTG muss sich konsolidieren. Dabei müssen sicherlich Abstriche gemacht werden. Zugleich hat das Urlaubsgebiet Wangerland aber die Chance, sich neu aufzustellen.

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