HOHENKIRCHEN - Der Saal waidmännisch geschmückt, die Tische hübsch dekoriert, auf den Plätzen rund 170 gut gelaunte Gäste – beste Voraussetzungen für einen gelungenen Jägerball, den der Hegering Wangerland am Sonnabend einmal mehr in der 'Dorf Wangerland'- Eventhalle ausrichtete. Hegeringleiter Karl-Heinrich Müller sah’s zufrieden und freute sich besonders, dass so viele junge Leute in festlicher Robe mitfeiern wollten. Deutlicher Beleg dafür, dass der Ball beileibe keine Veranstaltung nur für die ältere Generation ist.
Klangvoll hießen die Jagdhornbläser des Bläsercorps’ Wangerland unter Leitung von Gerold Lauts die Ballbesucher mit dem Signal 'Begrüßung' willkommen, unter ihnen auch die beiden Ehren-Hegeringleiter Gerhard Müller und Kreisjägermeister Elimar Becker, Ratsvorsitzender Johann Wilhelm Peters und die ehemalige Landtagsabgeordnete Inse-Marie Ortgies.
Wie gewohnt, ging der Hegeringleiter dann zunächst auf jagdliche Themen im Allgemeinen und die Situation im Hegering im Besonderen ein – aufgelockert durch Einlagen der Bläser. So beschäftigt die Waidmänner und -frauen aktuell die Novellierung des niedersächsischen Jagdgesetzes sowie die Einschränkung der Jagd in Schutzgebieten und die mögliche Verkürzung von Jagdzeiten. Müller ging auch auf die wachsende Wolfspopulation in Deutschland ein. Nahe Cuxhaven sei er schon nachgewiesen. 'Der Wolf kommt', meinte Müller.
Auf dem Rückzug sind im Gegensatz dazu weiterhin die Fasane, das bereitet den Jägern große Sorgen. 'Vor allem hat sich die Zahl der Hennen in den letzten zwei bis drei Jahren so dezimiert, dass die wenigen kaum noch Nachwuchs groß bekommen', schilderte der Hegeringleiter die Situation in den heimischen Revieren. Es liefen inzwischen Untersuchungen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.
Rar macht sich das Rebhuhn, es ist im Wangerland nicht mehr flächendeckend anzutreffen und wird seit langer Zeit schon nicht mehr bejagt. Dort, wo es noch vorkommt, zeitigt auch intensive Hege kaum Erfolg.
Recht gut wiederum ist der Bestand bei den Rehen, doch nach wie vor werden viele Tiere auf der Straße 'erlegt'. Der Fallwildanteil ist mit 50 bis 60 Prozent laut Müller erschreckend hoch. Neben dem weiteren Einsatz von blauen Reflektoren an den Begrenzungspfählen empfiehlt er ein frühes Eingreifen in den Bestand.
Der Hase startete mit einem sehr guten Besatz in das Jagdjahr, doch mit der Nässe im Herbst erhöhten sich die Verluste. Deshalb wurden die Hasen vorausschauend und vorsichtig bejagt. Unter dem Stichwort Raubwild wies der Hegeringleiter auf starke Krähen- und Elster-Bestände hin, die dem Niederwild und vor allem den Wiesenvögeln wie Kiebitz, Austernfischer und Rotschenkel stark zusetzen.
Zu guter Letzt warb Karl-Heinrich Müller dafür, mehr Blüh- und Ackerrandstreifen einzurichten: 'Um der immer intensiveren und sich ständig verändernden Landwirtschaft entgegenzuwirken, benötigen wir mehr Rückzugsgebiete und Flächen für die Tier- und Pflanzenwelt. Durch den Wegfall der Brachflächen sind Deckungs- und Einstandsflächen verloren gegangen.'
Nachdem die Bläser abschließend 'Lützows wilde Jagd' intoniert hatten, übernahm die Oldenburger Band 'Roundabout' die musikalische Regie und lockte mit einem Auftakt-Walzer und 'I never promised you a Rose Garden' die ersten Tänzer aufs Parkett. Und so nahm die Ballnacht ihren Lauf, bis in den frühen Morgen feierten die Jäger und ihre Gäste fröhlich und ausgelassen.
