HOOKSIEL - In der kleinen Druckwerkstatt des Künstlerhauses soll wieder intensiv gearbeitet werden. Der Raum, der sich hinter dem Muschelmuseum befindet, ist inzwischen frisch renoviert und teilweise auch mit neuem Werkzeug und Mobiliar ausgestattet worden.

Seit etwa einem Jahr leitet der Künstler Friedo Jüngling die Werkstatt. Ab sofort bietet er montags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr Kurse an, in denen er die verschiedenen Radiertechniken vermittelt. Bereits von 1989 bis 2000 war Jüngling im Künstlerhaus Leiter von Radierseminaren. Das Angebot richtet sich an Einheimische und Gäste, Anfänger und Fortgeschrittene. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich unter Tel. 04425/81408 im Künstlerhaus oder per E-Mail unter info@juenglingart.de.

'Die Druckwerkstatt ist in unserer Region ein einzigartiges Angebot', sagte die Leiterin des Künstlerhauses, Maria Diederichs-Bolsenkötter. Gemeinsam mit Friedo Jüngling stellte sie die kleine aber feine Einrichtung jetzt Pressevertretern vor. Dabei erläuterte der Werkstattleiter auch die verschiedenen Radiertechniken, die in der Druckwerkstatt vermittelt werden können. Die einfachste ist nach seinen Worten die sogenannte Kaltnadelradierung. Dabei werden die Motive mit einer Nadel oder einem Graviergerät direkt in eine Plexiglasscheibe oder eine Metallplatte geritzt. 'Damit ist der Druckstock schon fertig', erklärte Jüngling. Mit einem Ballen werde dann die Druckfarbe aufgetragen. Überschüssige Farbe wischt man ab, sodass sich die Farbe nur noch in den eingeritzten Vertiefungen befindet. 'Dann kann der Druckstock auf die Presse gelegt werden, darauf das angefeuchtete Blatt Papier, auf das gedruckt werden soll', so das weitere Verfahren. Von Hand, über ein großes Rad, wird der Druckstock durch die Presse geschoben, wo das Motiv sauber aufs Papier gedrückt wird – und das Kunstwerk ist fertig. Weitere Techniken sind die Strichätzung, die Aquatinta-Technik oder die Vernis-Mou-Technik. 'Der Vorteil der Radierung ist für den Künstler, dass eine große Auflage möglich ist. Je nach Material des Druckstocks sind 100 bis 200 Abzüge möglich', sagte Jüngling.

Die Leitung der Druckwerkstatt hat auch schon seine künstlerische Arbeit beeinflusst. 'Ich radiere jetzt viel mehr', sagte Jüngling, dessen Schwerpunkt eher das Zeichnen und Malen war. Überall an den Wänden der Druckwerkstatt hängen Radierungen mit Jünglings Signatur. Einen kräftigen Motivationsschub erhielt er allerdings auch von der letzten Stipendiatin Bea Emsbach. Sie hatte sich im Künstlerhaus mit Zeichnungen und Aquarellen vorgestellt, ihren Aufenthalt in Hooksiel dann aber genutzt, um sich in Anbetracht der gleich nebenan vorhandenen Druckwerkstatt mit der Radierung zu beschäftigen. 'Sie hat hier sehr intensiv gearbeitet', berichteten Maria Diederichs-Bolsenkötter und Friedo Jüngling. Entstanden seien viele schöne Kunstwerke. Eine Arbeit habe Bea Emsbach der Kunstsammlung der Gemeinde überlassen. Auf jeden Fall soll die Druckwerkstatt auch den nächsten Stipendiaten angeboten werden, sagte die Künstlerhausleiterin.