HOOKSIEL - Kommt der Wind aus Nord, bleiben die Fische fort. Diese alte Fischerregel gilt laut Hans Schröder auch für Nordseekrabben. Wegen des schlechten Wetters habe sich der Granat im Juli rar gemacht. Aber, so der Vareler, der mit seinem Kutter 'Hein Godenwind' übers Wochenende für die Hooksieler Krabbentage im Alten Hafen festgemacht hatte: Für den Verkauf am Kai an die Festgäste werde der Fang wohl reichen, zumal auch Schröders Sohn Nils mit seinem Kutter 'Trotz', der seit Mai in Hooksiel beheimatet ist, seinen Fang beisteuerte.

Gelegentlich mussten die Krabbenverkäufer ihren Kunden zeigen, wie das schmackhafte Fleisch von der Schale befreit wird. 13 Granatliebhaber traten dann am Sonnabend beim Krabbenpul-Wettbewerb gegeneinander an. In zwei Vorrunden galt es in fünf Minuten so viele Krabben wie möglich zu pulen, wobei das geschälte Fleisch penibel von Bernd Tscherney abgewogen wurde. Im Finale lagen dann die Varelerin Alexandra Schilke-Müller und Jürgen Kohl aus Jever mit 49 Gramm gleichauf und bekamen als Siegprämie je eine Hooksiel-Konservendose mit Überraschungsinhalt.

Mit von der Partie war auch Anne Jermaine aus dem südenglischen Swindon. Die Britin war rund 60 Jahre nach einem Jugendtreffen wieder bei ihrer Austauschfreundin Roswitha Wöbker in Hooksiel zu Gast. Angesichts der Tatsache, dass die Engländerin niemals zuvor 'Crabs' geschält hatte, konnte sich ihr Ergebnis durchaus sehen lassen.

Spannend ging es bereits am Sonnabendvormittag bei der von der Hooksieler Feuerwehr organisierten Spaß-Regatta zu. Bei der Wettfahrt geht es darum, von einem Kanadier aus so schnell wie möglich fünf Bojen einzusammeln, dabei eine Wendemarke zu umrunden, im Zielbereich ein Glöckchen anzuschlagen und an der Kaimauer festzumachen. Anders als in den Vorjahren landete jedoch keiner der Wettkämpfer im kühlen Nass des Hafenbeckens. Der Grund: Die Kameraden der Wehr hatten das Glöckchen ziemlich tief aufgehängt.

Trotzdem kamen die Zuschauer auf ihre Kosten. Dafür sorgten vor allem diejenigen der insgesamt acht Teams, die sich bei dem Rundkurs durch den Alten Hafen besonders viel Zeit ließen. So vermuteten Beobachter, dass das Team 'Schortens I' bei seinen Ausflügen in die Uferbereiche 'Kilometergeld' sammeln wollte. Die Mannschaft 'Borgstede-Winkelsheide I' hingegen schien die Regatta mit dem Spiel 'Schiffe versenken' zu verwechseln. Gleich nach dem Start gab es einen 'Ramming' mit dem Kutter 'Hein Godenwind', dessen stabiler Holzrumpf die Kollision jedoch ohne Schaden wegsteckte. Für Gaudi gesorgt hat auch das Team 'THW Wilhelmshaven'. Dass ausgerechnet die Mitglieder der 'Fachgruppe Boot' nicht besonders zielgenau durch das Hafenbecken paddelten, wurde mit schadenfrohen Bemerkung quittiert, die Crew habe sich wohl mangels Kompass 'verfahren'.

Den Siegerpokal in Form von drei Kisten mit Flaschen in 'Jever-Grün' holte sich das Team 'Tettens I' mit den Paddlern Thorsten Klein, Jan-Malte Knigge, Rüdiger Sollermann und Marcel Plois in der Zeit von 4:01 Minuten. Knapp ging es beim Kampf um die Plätze zu. Die Mannschaft 'THW Jever' wurde mit 4:35 Minuten Zweiter und war damit gerade mal zwei Sekunden schneller als das Team 'Borgstede-Winkelsheide II'.

Wie bereits bei den Heringstagen hatte die Dorfgemeinschaft auch bei den Krabbentagen in Sachen Musik für ein breitgefächertes Musikprogramm gesorgt. Auf zwei Bühnen gab es Livemusik für jeden Geschmack – von Oldies über Rock und Pop bis hin zu maritimen Klängen. Bei der beliebten Strandkorbversteigerung schwang erstmals Bernd Tscherney den Auktionshammer.

Beim Krabbenpulwettbewerb waren übrigens nur Amateure zugelassen. 'Machen die Kutterfrauen wieder mit', fragte vorsichtshalber eine Teilnehmerin, die sich offensichtlich ans Wett-Pulen vor zwei Jahren erinnerte, als die Profis aus Fischer-Kreisen Traum-Ergebnisse jenseits der 70-Gramm-Grenze 'erpulten'.