Horumersiel - Nun steht er wieder, der „Hoog Stohl“ als neues, altes Wahrzeichen von Horumersiel. Der Verein Historische Seenotrettung hat es nach jahrelanger Arbeit geschafft, den traditionellen Utkiek der Seenotretter wieder so erstehen zu lassen, wie er 80 Jahre die Kulisse des Sielhafens geprägt hat. Am Freitag, 28. Juni, um 14 Uhr soll der „Hoog Stohl“ der Öffentlichkeit übergeben werden.

1867 wurde der erste Aussichtspunkt für die Seenotrettung gebaut, 1884 folgte ein zweites Exemplar, das 1947 wegen Baufälligkeit abgerissen wurde. Der Hafen Horumersiel besteht in diesem Jahr übrigens 350 Jahre. Im faktenreichen Buch „Horumersiel – vom Sielort zum Nordseeheilbad“ hat Erhard Ahlrichs festgehalten, dass am 9. Februar 1669 durch den anhalt-zerbstischen Deichgrafen Fuchs ein „Sielschatz“ von einem Schaaf (Währung) pro Gras (Flächenmaß) anzulegen sei. Diese Summe sollte von den Bewohnern des Kirchspiels Wiarden aufgebracht werden, um das Holz für den Horumer Siel zu bezahlen.

Das richtige Holz für den ersten Kajenbau fanden der damalige Sielrichter Frerich Tiarts Hillers und die Wiarder Vogt Anton Günther Blutguth aus Wiarder Busch in Bockhorn und Neuenburg. „Ab diesem Zeitpunkt kann man von einem Hafen in Horumersiel sprechen“; schreibt Ahlrichs.

Das Bild des Hafens von 1910 zeigt das Strandhotel „Zur schönen Aussicht“ mit der Veranda auf dem Deich und dem ersten steinernen Rettungsschuppen. Ganz rechts thront der „Hoog Stohl“ auf dem Deich. Neben den Plattbodenschiffen ist rechts das ehemalige Rettungsboot „Vegesack I“ zu sehen – bereits außer Dienst. Das Rettungsboot mit gesetzten Segeln wurde übrigens später von G. H. Tiarks in die Aufnahme hinein montiert, wie Horumersiels „Heimatlexikon“ Wieland Rosenboom weiß.