Horumersiel - Da stehen sie und blicken bang aufs tosende Meer hinaus: Die Horumersieler Frauen hoffen und beten – gerade sind die Rettungsmänner der Station in ihren Korkschwimmwesten hinaus in die stürmische See gerudert, um die Menschen von einem havarierten Schiff zu retten. „Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz! Nun muss es zerschmettern...! Nein: es blieb ganz!...Wie lange? Wie lange? Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer Die menschenfressenden Rosse daher; Sie schnauben und schäumen.“

Zur Seenotretter-Ballade „Nis Randers“ von Otto Ernst spielen die Mitglieder des Vereins Historische Seenotrettung Horumersiel nach, wie einst im 19. Jahrhundert eine Seenotrettung vonstatten gegangen sein könnte.

„Aber man irrt, wenn man glaubt, nur Männer waren Retter“, sagt Vorsitzender Wieland Rosenboom: „Wenn an der Küste von April bis September die Männer auf See waren, blieben nur Frauen und Greise, um in Not geratenen Schiffsleuten zu helfen“, sagt er.

In Horumersiel erinnert der „Hohe Stuhl“ an diese Zeit. Jede Stunde stieg einer hinauf auf den Utkiek, um einen Blick über die See zu werfen – und die Rettungskette in Gang zu setzen, wenn er einen Havaristen entdeckte. Seit wenigen Wochen steht die Rekonstruktion des „Hoog Stohl“ wieder – fast genau – an der alten Stelle auf dem alten Deich.

Viele Jahre hat der Verein dafür geworben, Spenden gesammelt und unzählige Gespräche geführt, dass das einstige Wahrzeichen Horumersiels nun wieder da ist. Und das wurde am Freitag zünftig gefeiert – mit Lobes- und Dankesworten von Reiner Tammen, in Personalunion stellvertretender Landrat und stellvertretender Bürgermeister und von Friedo Gerdes aus der WTG-Geschäftsführung sowie mit einem Blick auf die Entstehungsgeschichte des Wiederaufbaus von Vereinsvorsitzendem Wieland Rosenboom.