HORUMERSIEL - Aktiv und selbstbewusst, so treten die Landfrauen auf, nicht nur in Jeverland, sondern in der ganzen Weser-Ems-Region. Sie verstehen sich längst nicht mehr als reiner Interessenverband der Bäuerinnen, sondern setzen sich für die Belange aller Bewohnerinnen und Bewohner des ländlichen Raums ein. Die Ehrung für Erika Lübben (siehe Seite 1) ist dafür durchaus ein Beleg, denn sie hat sich weit über ihre eigentliche Aufgabe als Fachberaterin für ländliche Hauswirtschaft in vielen Bereichen engagiert. Ob es um den Einsatz einer zweiten Gemeindeschwester im Wangerland ging oder den Erhalt der Dorfhelferinnenstation, ob um das Thema Hauswirtschaft an Schulen oder um die Verschönerung und Entwicklung der Dörfer in Friesland. Weiterbildung und die Entwicklung neuer Einkommenschancen für Bäuerinnen und für andere Frauen auf dem Land waren ihr so wichtig wie die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses. Das alles würdigte Landrat Sven Ambrosy in seiner Laudatio, bevor er ihr den Frieslandtaler übergab.
Mehr als 500 Delegierte aus den Landfrauenvereinen von der Nordsee bis ins Osnabrücker Land klatschten lange Beifall, und später im Verlaufe der Delegiertentagung des Landfrauenverbandes Weser-Ems im Kursaal in Horumersiel wurde Erika Lübben, die vor einem Jahr in die passive Phase der Altersteilzeit ging, erneut geehrt. Die Vorsitzende des Weser-Ems-Verbandes, Agnes Witschen, übergab ihr den Ehrenteller des Landfrauenverbandes. Geehrt wurde auch Marianne Oetken, langjährig aktiv in der Kreisarbeitsgemeinschaft Friesland-Wilhelmshaven sowie im Ortslandfrauenverein Schortens.
Mit einem Grußwort hatte Ellen Kromminga-Jabben, Vorsitzende der friesländischen Landfrauen, die Frauen im bis auf den letzten Platz gefüllten Kursaal empfangen und ihnen die Region und den Kreislandfrauenverband mit seinen acht Ortsvereinen und 750 Mitgliedern vorgestellt. Auch sie ließ es nicht bei schönen Worten über Land und Leute, sondern mahnte bei allem Lob für die hier früh vollzogene 'Energiewende' mit Windkraft, Solarstrom und Biogas auch vor möglichen schädlichen Nebenwirkungen. Zunehmender Maisanbau verändere Landschaft und Landwirtschaft, die Folgen seien kritisch zu bewerten. Die infolge des Maisanbaus gestiegenen Pachtpreise könnten von den landwirtschaftlichen Betrieben kaum noch aufgebracht werden.
Die Vorsitzende Agnes Witschen nannte 2011 ein 'gutes Jahr' für die Landfrauenorganisation, die Mitgliederzahl in Weser-Ems sei erstmals wieder leicht gestiegen. Sie berichtete von erfolgreichen Aktionen wie 'Frühstück sucht Gast' und 'Kochen mit Kindern', kündigte aber auch neue Initiativen an. So wollen sich die Landfrauen um das Thema Vermeidung von Lebensmittelverschwendung kümmern. Auch werde das Thema Pflege zunehmend wichtiger, auch und gerade für Frauen auf dem Land. 'Hier gibt es, politisch gesehen, zurzeit mehr Herausforderungen als Lösungen', sagte Agnes Witschen.
Die Vorsitzende kündigte an, dass der Landfrauenverband im Juni dieses Jahres Gastgeber des Deutschen Landfrauentages sein wird. In Oldenburg werden noch mehr Teilnehmerinnen als in Horumersiel erwartet: nicht 500, sondern 5000. Dann wird’s aber nicht so familiär zugehen wie gestern im Wangerland.
