Horumersiel - Der Bauzaun wurde bereits aufgestellt, auch die Baustraße ist angelegt – und demnächst soll im Innern des einstigen Kurmittelhauses von Horumersiel mit den Abbrucharbeiten begonnen werden. Für die Wangerland Touristik GmbH (WTG) als Bauherr und späterer Betreiber des Thalasso-Zentrums waren das Gründe, um nun auch die Feinplanungen für das Bauprojekt vorzustellen. Das übernahm am Dienstagabend Wilfried Henke vom Esenser Architekturbüro Deeken-Henke im wangerländischen Tourismusausschuss.
Von außen und innen präsentiert sich das Gebäude extrem-schnörkellos. Zwar verwenden die Planer bei der Außenfassade Klinker als „ortsüblichen Baustoff“ – „aber heller“, erläuterte Henke. Was das Innere des künftigen Thalasso-Zentrums angeht, sprach der Architekt von einem „Yoga-Zen“-Stil. Unter anderem mit Salzwasser betriebene Wasserwände sollen dafür sorgen, dass der Besucher „das Meer spürt“. Die Entwürfe, die Henke präsentierte, bezeichnete der Fachmann selbst als „sehr stark reduziert“. Tatsächlich wirken Korridore, Behandlungsräume, Aerosolbereich und Hallenbad derart existenzialistisch-nüchtern, dass die Frage aufkam, ob das Gebäudeinnere zum Beispiel „mit den Farben des Meeres“ etwas farbenfroher gestaltet werden könnte.
Ob die geplanten Baukosten in Höhe von rund 8,8 Millionen Euro eingehalten werden und ob sich das Thalasso-Zentrum überhaupt lohnt, wollte Hooksiels Seebadevereinsvorsitzender Erwin Abels wissen. „Es gibt Unwägbarkeiten, aber die sind eingeplant“, versicherte der Architekt. Die kalkulierten Kosten bezeichnete er als niedrig, vor allem, weil die Gebäudehülle erhalten bleibt. Mit Blick auf die Rentabilität sagte WTG-Geschäftsführer Armin Kanning: „Die NBank hat das geprüft und für wirtschaftlich befunden – sonst würden wir keine Fördergelder bekommen.“ Das Land fördert den Bau mit drei Millionen Euro, der Landkreis Friesland gibt einen 500.000-Euro-Zuschuss dazu. Im Frühjahr 2022 sollen Um- und Ausbau abgeschlossen sein, in Betrieb gehen soll das Thalasso-Zentrum am 1. Juli 2022.
Leidtragender des Totalumbaus ist der Verein historische Seenotrettung, der erst 2019 im ehemaligen Kurmittelhaus eine Modellboot-Ausstellung eröffnet hatte. Wie Vorsitzender Wieland Rosenboom berichtete, hat der Verein jedoch bereits ein Ausweichquartier gefunden.
Historische Seenotrettung zieht mit Ausstellung nach Hooksiel um
Als der Verein historische Seenotrettung im vergangenen Jahr im ehemaligen Horumersieler Kurmittelhaus seine Modellboot-Ausstellung eröffnete, war dem Vorstand klar, dass es sich nur um einen Zwischen-Standort handelt. Weil nun der Umbau des Gebäudes zu einem Thalasso-Zentrum begonnen hat, zieht der Verein mit seiner Ausstellung um – und zwar in das Stelzengebäude an der Hooksieler Jaderennbahn. Aber auch dabei handelt es sich nur um eine Interims-Lösung, wie Wieland Rosenboom am Dienstagabend im Tourismusausschuss der Gemeinde Wangerland erläuterte. Denn zumindest mittelfristig will der Verein mit den Miniatur-Seenotrettungsbooten und -kreuzern wieder zurück nach Horumersiel. Dort könnte die Ausstellung in Containern unterkommen, die, so der Vorsitzende, am Hafenplatz Wangersiel oder am Rande des Großparkplatzes beim Vereinsheim der Marinekameradschaft, dem Küstenwachboot „KW19“, aufgestellt werden. Auf lange Sicht wünscht sich der rund 80 Mitglieder zählende Verein jedoch ein eigenes „festes Gebäude“, möglichst im Bereich des Horumer Tiefs. In der Jahreshauptversammlung Ende Januar hatte der Vorstand bereits Entwürfe für ein solches Vereinsheim vorgestellt. Angedacht ist ein 19 Meter langes Gebäude, das teilweise in Stile eines historischen Seenotrettungsschuppens gestaltet ist.
Björn Mühlena sprach mit Blick auf die Arbeit von Rosenboom und seinen Mitstreitern von „wunderbaren Möglichkeiten, unsere Lebensart der Öffentlichkeit zu präsentieren“. Der Verein schaffe für die Gemeinde Attraktionen, so der Bürgermeister, der sich deshalb dafür stark machte, die kulturhistorischen Aktivitäten zu fördern.
