Jeverland/Oldorf - Die historischen Fotos und Plakate im Wohnzimmer von Bernhard Eden zeugen von einer Zeit, als im Jeverland nicht nur das Boßeln, sondern auch das Klootschießen und Schleuderballwerfen noch ein regelrechter Volkssport war.
Mehr noch: Das Klootschießen hatte sogar etwas Völkerverbindendes. So haben am 7. Juli 1935 jeverländische Werfer am „Eerste Internationale Klootschieterwedstrijd“ im niederländischen Losser (Provinz Overijssel) teilgenommen, darunter auch Bernhard Edens Vater Ernst.
Bereits wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg trafen sich erneut Klootschießer aus Deutschland und den Niederlanden zum gemeinsamen Wettstreit.
An diese Tradition will der Oldofer wieder anknüpfen. Im Spätsommer soll in Sandelermöns ein internationaler Friesensport-Wettkampf stattfinden, an dem nicht nur Männer und Frauen aus Deutschland und den Niederlanden, sondern auch aus Irland teilnehmen. Vorbereiten soll diese Großveranstaltung (Eden rechnet mit rund 500 Teilnehmern) ein Stammtisch, der im Mai zusammenkommen soll. Daran sollen unter anderem Vertreter der in- und ausländischen Verbände teilnehmen.
Doch eines stellt Eden klar: Der Wettkampf soll keine Konkurrenzveranstaltung zur alle vier Jahre stattfindenden Europameisterschaft der Klootschießer und Boßler oder zu den großen Klootschießer-Feldwettkämpfen werden.
Vielmehr will der Jeverländer, der lange Zeit Vorsitzender des Oldorfer KBV „Holl di ran“ war, den Friesensport in seiner Heimat wieder populärer machen. Er befürchtet, dass es vor allem im Jeverland wegen der Corona-Einschränken mit dem Sport- und Wettkampfbetrieb „den Bach runtergeht“.
Eden spricht mit Ehrfurcht von vergangenen Klootschießer-Wettkämpfen. „Mit einer solchen Kugel hundert Meter werfen – das ist schon was“, meint der Friesländer und wiegt in der Hand einen 475 Gramm schweren Kloot, eine mit einem Blei-Kern gefüllte Holzkugel. Er besitzt auch eine 300 Gramm schwere „Holland-Kugel“, mit der in den Niederlanden geworfen wird. In Irland sind reine Stahlkugeln im Gebrauch.
In einem ist der wangerländische Gastronom schon mit seinen Planungen weit voraus. Der upjeversche Gattersägen-Verein hat als Pokal einen Eichenholz-Würfel (Seitenlänge jeweils 30 Zentimeter) gestiftet. Darauf sollen Plaketten mit den Namen von Top-Werfern vergangener und künftiger Zeiten verewigt werden. Im jeverschen „Schützenhof“ bekommt der Pokal dann einen Ehrenplatz.
