MINSEN - 'Ich übernehme ein geordnetes Haus und eine tolle Truppe', sagt Norbert Freymuth, der am 1. Januar 2013 die Aufgaben des Ortsbrandmeisters der Freiwilligen Feuerwehr Minsen übernommen hat. Er trat die Nachfolge von Norbert Siebolds an. 'Ich wollte, Norbert hätte 90 Prozent Leistung gezeigt, da hätte ich dann noch etwas draufsetzen können. Aber die von ihm geleisteten 120 Prozent zu toppen, das wird schwierig', meint der Neue augenzwinkernd.

Der 42-Jährige wurde durch ein schreckliches persönliches Erlebnis auf die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren aufmerksam. 'Ein Freund und Arbeitskollege starb 1988 bei einem Verkehrsunfall in Kaisershof. Ich fand ihn dort und sah, wie engagiert die Feuerwehrleute sich um ihn kümmerten. Da habe ich gesehen, wie wichtig diese Arbeit ist', erinnert er sich. Und so sei die Idee entstanden, irgendwann einmal Teil dieser Einheit zu werden.

Dies dauerte aber noch. Der gelernte Koch und heutige Fleischer musste erst seine Ausbildung beenden und zwei Jahre arbeiten, bis seine Dienstzeiten sich 1991 so gestalteten, dass er an den regelmäßigen Dienstabenden der Minser Wehr teilnehmen konnte. Aber dann ging es Schlag auf Schlag: Seit seinem Eintritt als 21-Jähriger hat der gebürtige Minser nahezu alle Lehrgänge absolviert, die möglich sind. Vor zehn Jahren wurde er Gruppenführer, 2012 dann Zugführer.

Wenn Norbert Freymuth von einem 'geordneten Haus' spricht, dann meint er das auch so: Er habe keinen Grund zu klagen, mit 36 Aktiven in einem guten Durchschnittsalter sei die Personalstärke der Stützpunktfeuerwehr (mindestens müssten es 26 Kräfte sein) ausgezeichnet. 'Ausbildungsstand und Kameradschaft sind sehr gut und die Gerätschaften, die drei Autos und das Feuerwehrgerätehaus neuwertig', blickt er zuversichtlich in die Zukunft.

Und zufrieden ist er auch mit der Unterstützung durch seine Familie, Ehefrau Britta und die Mädchen Stefanie und Katrin. 'Meine Familie steht da hinter mir und das stärkt mich', sagt der 42-Jährige. Und das in aller Konsequenz, sprich im Einsatz. Wenn der Pieper losgeht, dann ist die Familie oft schon vor Norbert Freymuth in der Küche. 'Eine schließt die Haustür auf, eine macht das Außenlicht an und hält die Hunde fest, eine drückt mir den Tabakbeutel in die Hand', beschreibt der Familienvater.

Zu seinen künftigen Aufgaben gehört neben der Leitung der Wehr und der Ausbildung der Feuerwehrleute auch jede Menge Papierkram, vielfältige Koordinierungsaufgaben und die Teilnahme an den Orts- und Gemeindekommandositzungen. Nur eines stört ihn: 'Bei einem Einsatz über Tag ausreichend Personal zu bekommen, ist schwierig', sagt er. Den Grund dafür sieht er aber nicht in der fehlenden Einsatzbereitschaft der Wehrmitglieder, sondern in einer nicht ausreichenden Akzeptanz der Freiwilligen Feuerwehrarbeit durch die Bevölkerung.

'Es sind nicht immer die Arbeitgeber, die ihre Angestellten generell nicht für einen Einsatz freistellen. Vielmehr ist es ihre Angst vor Ärger mit Kunden, wenn sie ihnen sagen müssen, wir sind nicht fertig geworden, weil ein Mitarbeiter zu einem Feuerwehreinsatz musste', macht Freymuth deutlich. Da fordert er ein Umdenken. Wenn ein Feuerwehrmann wegen eines Einsatzes von der Arbeit fort müsse, dann könnten Kunden des Arbeitgebers ruhig mit etwas mehr Verständnis reagieren, so der neue Ortsbrandmeister.

Wenn der nicht arbeitet oder ehrenamtlich für die Feuerwehr unterwegs ist, dann hat er dennoch alle Hände voll zu tun: Die Familie steht ganz oben an, dann aber folgen bereits die drei Haustiere, zwei Hunde, eine Katze und die beiden Pferde. Für Letztere macht er mit seinem Oldtimer-Trecker selbst Heu und Stroh, mistet aus und füttert.

Das Staffelholz erhielt der Neue von seinem Vorgänger übrigens, wie es sich in der Feuerwehrfamilie Minsen gehört, in entsprechendem Rahmen. 'Pünktlich am 31. Dezember, um 24 Uhr im Gerätehaus.' Da wurde dann gleich auf das neue Jahr angestoßen.