Oldorf - Das Schlimmste für Bernhard Eden ist, dass er sich viele Dinge nicht mehr merken kann. „Früher konnte ich noch ein paar Hundert Telefonnummern auswendig – heute sind es vielleicht noch 20“, ärgert sich der 83-Jährige. Der Grund für die Erinnerungslücke: Am 20. Februar hatte der Wangerländer einen derart schweren Schlaganfall, dass er zunächst nicht sprechen konnte. Außerdem war er linksseitig gelähmt, konnte seinen linken Arm nicht bewegen und nicht laufen.
Bernhard Eden will sich mit anderen Betroffenen austauschen
Wer Bernhard Eden kennt, der weiß, wie sehr er unter diesen Einschränkungen gelitten und noch zu leiden hat. Doch der Gastronom, der sich immer in Wirtschaft, Politik und Kultur engagiert hat, hat nicht aufgesteckt. Mit eisernem Willen hat er sich gegen die Auswirkungen des Schlaganfalls gestemmt. Nach zwei Reha-Phasen sowie mithilfe von Logopäden und Krankengymnasten kämpfte er sich ins Alltagsleben zurück.
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich einsetzende Ausfallerscheinung einer neurologischen Funktion infolge einer Durchblutungsstörung im Gehirn oder einer Gehirnblutung. Die Symptome sind abhängig vom betroffenen Gehirnareal und variieren stark. Typisch sind Ausfälle oder Störungen von Sinneseindrücken und Sprache sowie Verwirrtheit, Schwindel oder halbseitige Muskellähmung. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist eine schnelle medizinische Hilfe. Der Schlaganfall ist weltweit die zweithäufigste Todesursache und der zweithäufigste Grund für eine Behinderung.
Über diese Erlebnisse sowie über Möglichkeiten, weiter erfolgreich gegen die Ausfallerscheinungen anzugehen, will sich der Oldorfer mit anderen austauschen. Doch in Friesland gibt es keine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe. Das bestätigt Jessica Boyken von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) des Paritätischen in Varel auf Anfrage. „Die nächste gibt es in Großefehn“, weiß die Sozialpädagogin, die Eden ihre Hilfe anbietet. Die KISS wolle gerne bei der Gründung sowie der Mitglieder- und Raumsuche helfen, so Boyken.
„Es wäre ganz gut zu wissen, wie andere damit klarkommen“, sagt Bernhard Eden. Dabei geht es ihm auch um ganz praktische Tipps, zum Beispiel wie und unter welchen Voraussetzungen er seinen Führerschein zurückbekommt. Denn über die Einziehung beziehungsweise die Rückerstattung einer Fahrerlaubnis nach einem Schlaganfall wird nach Einzelfall entschieden, wobei vor allem Facharzt-Gutachten ausschlaggebend sind. Auf die Frage, ob er wieder Auto fahren will, antwortet der Senior mit einem klaren „Ja“. Interessierte fordert der Oldorfer auf, sich unter Tel. 04463/696 bei ihm zu melden.
Das ist am 20. Februar passiert
Rückblende: Am 20. Februar war Eden morgens „ganz normal aufgestanden“. Einen für Schlaganfälle typischen Auslöser – wie zum Beispiel eine Ruhephase nach einer Stresssituation – hatte es nicht gegeben. Im Bad konnte der Friesländer „plötzlich nicht mehr schnacken, nur noch lallen“. Auch sackten ihm die Beine weg. „Mir drehte sich alles“, erinnert sich Eden, der noch weiß, dass er zum Rettungswagen transportiert wurde. Die folgenden zwei Wochen auf der Schlaganfallstation im Nordwestkrankenhaus Sanderbusch sind aus seinem Gedächtnis „wie ausgelöscht“.
Es folgte die erste dreiwöchige Reha-Phase in Sanderbusch, die sogenannte Früh-Reha. „Ich musste alles das wieder lernen, was man auch sonst von Anfang an lernen muss.“ Er lernte, aus dem Bett aufzustehen und sich anzuziehen. Mit der Sprachtherapie verschwand zunehmend das Lallen, auch machte der Wangerländer wieder die ersten Schritte. „Ich wollte mehr“, sagt der Schlaganfall-Patient – und ergänzt: „Aber ich durfte nicht, weil ich sturzgefährdet war.“
Regelmäßig Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie
Es folgte eine weitere dreiwöchige Reha in Oldenburg. Zurück zu Hause legte Eden nicht die Hände in den Schoß. „Meine Frau ist meine Pflegerin“, sagt Eden. Denn Ehefrau Gisela fährt ihn zwei Mal wöchentlich zur Krankengymnastik, mittwochs geht er zur Ergotherapie und zur Logopädie.
Dementsprechend groß sind die Fortschritte. Im Garten gibt es zwar noch Handläufe, an denen sich der 83-Jährige festhalten kann. Kurze Strecken läuft er jedoch schon ohne Gehstock. Den linken Arm kann er auch wieder bewegen, mit der Hand jedoch noch nicht richtig greifen. Das Sprachvermögen sei „tagesformabhängig“, morgens falle ihm das Sprechen leichter. Sprechübungen sorgen dafür, dass das Lallen immer mehr nachlässt. Auch das anfängliche Sabbern hat der Friesländer durch „hartes Sprechtraining“ in den Griff bekommen.
Doch trotz aller Fortschritte: Eden ärgert sich darüber, dass er seit dem Schlaganfall „keine Aufgabe“ mehr hat. Die Gründung einer Selbsthilfegruppe wäre eine solche. Denn, so betont er: „Ich möchte gefordert werden und will noch was geben.“
