Horumersiel - Seine Spezialität? „Seehunde, Kegelrobben, Klappmützen und Flughunde.“ Folkhard Onnen steht in seinem Arbeitszimmer und lächelt schelmisch. Flughunde? „So nenne ich die kranken Seehunde, die von Wangerooge eingeflogen werden“, erklärt der 83-Jährige. „Und die nehme ich dann am Flughafen Harlesiel in Empfang.“

Seit mehr als 20 Jahren schon engagiert sich der Horumersieler ehrenamtlich für die Seehundaufzuchtstation in Norddeich. Seine Aufgabe: Wenn irgendwo in der Region ein allein gelassenes oder krankes Jungtier gemeldet wird, dann wird er benachrichtigt und macht sich auf den Weg, holt die Tiere ab und bringt sie nach Norddeich. Dort werden sie aufgepäppelt und später wieder in der Nordsee frei gelassen.

Onnen schwenkt jetzt ein kleines rot-schwarzes Buch durch die Luft. An den Wänden hängen Urkunden, für 250, 400, 555 gerettete Seehunde. In dem kleinen Buch hat er akribisch dokumentiert, wann und wo er ein Tier eingesammelt hat.

Der erste Eintrag datiert auf den 30. Juni 1991, ein Heuler, abgeholt in Harlesiel. Einige Seiten weiter der letzte Eintrag bislang, der 27. Juli 2013. Das Besondere: Es war das 1000. Tier, dem Folkhard Onnen vermutlich das Leben gerettet hat. Allein in diesem Jahr waren es wieder über 100.

Damit die Tiere heil in Norddeich ankommen, hat sich Onnen einiges einfallen lassen. Um die manchmal wehrhaften Tiere mit den spitzen Zähnen gefahrlos einfangen zu können, hat er aus einem Spatenstiel, einem Staubsaugerrohr und einem Rasenmäher-Auffangkorb einen Kescher gebaut. Im Kofferraum seines Kombis hat er immer Transportboxen dabei.

Vor vier Jahren wurde der ehemalige Landwirt sogar wegen seines Engagements vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler auf Schloss Bellevue in Berlin empfangen – und offenbar hat der Palast des Staatsoberhauptes bei dem bescheidenen Ruheständler Eindruck hinterlassen. „Waren sie mal drin?“, will er wissen. Auf die Frage, wie es denn war, antwortet er vielsagend mit einem ausgedehnten „Pffhhh“.