Schillig/Jever - Wenn Petra Stanojevic auf das Pfingstwochenende zurückblickt ist sie vor allem eins: beruhigt. „Die Gäste haben sich alle vorbildlich verhalten“, sagt die Leiterin der Jugendherberge in Schillig. Die Anspannung vor der Wiedereröffnung nach der zehnwöchigen Zwangspause sei groß gewesen. Denn nur, wenn alle die aufgrund der Corona-Pandemie vom Land Niedersachsen erlassenen Verhaltensregeln befolgen, ist ein Betrieb in den Jugendherbergen überhaupt wieder möglich.
Zehn Wochen lang war das Haus menschenleer. Keine Gäste – und bis auf die Hausleiterin und einen technischen Mitarbeiter auch keine Beschäftigen. „Wir sind immer noch alle in Kurzarbeit“, sagt Stanojevic. „Es war hier in den vergangenen Wochen sehr still – schrecklich“, sagt sie. Dort wo in den Osterferien Kinder getobt und sich Erwachsene entspannt hätten, war nun gähnende Leere. Und das bei dem überwiegend sehr guten Wetter. In der Jugendherberge in Schillig gibt es 188 Betten. Seit dem 29. Mai dürfen 60 Prozent davon wieder belegt werden. Mehr wäre hier auch nicht möglich. Denn es dürfen nur Familien oder Personen aus höchstens zwei Hausständen in einem Zimmer untergebracht werden. Die Zimmer müssen über ein eigenes Bad verfügen. Das ist in Schillig nicht durchgängig der Fall.
Maske tragen, Abstand halten – Gäste werden von zahlreichen Schildern empfangen
Am Eingang zur Jugendherberge werden die Gäste zunächst von zahlreichen Schildern empfangen – Maske tragen, Abstand halten, auf den Treppen rechts gehen, Einbahnstraßensystem befolgen und Hände desinfizieren. All das lief am Wochenende reibungslos. Natürlich hätten die Familien sich nicht voneinander abgeschottet. „Es ist ja gerade das Gemeinschaftsgefühl, das man in einer Jugendherberge erleben möchte“; sagt die Hausleiterin. Dass das auch mit Abstand funktioniert habe sich Pfingsten gezeigt. Auch, dass sich beim Frühstück nun lange Schlangen bilden und es zu Wartezeit kommt, haben die Gäste ohne zu murren hingenommen. Denn aus dem Buffet, was es sonst gibt, ist nun ein Bedien-Buffet geworden. Zwei Mitarbeiter füllen die Teller der Gäste nach deren Wünschen. Das dauert seine Zeit. „Sie waren alle sehr dankbar, dass sie wieder raus dürfen und haben das alles super mitgemacht“, lobt die Leiterin ihre Gäste. Dasselbe hat Kornelia Zillmer in der Jugendherberge in Jever erlebt. „Es lief viel besser als gedacht“, sagt sie. In der Jugendherberge Jever hatten über Pfingsten 82 Gäste eine kleine Auszeit gebucht. Auch hier haben sich alle ohne Probleme an die Regeln gehalten. „Wenn im Speisesaal kein Platz mehr frei war, haben sie ihr Tablett genommen und sich woanders einen Tisch gesucht“, lobt die Hausleiterin. Um die vorgeschriebenen Abstände einhalten zu können, sind im Moment auch Aufenthalts- und Seminarräume zum Speisesaal ernannt worden.
In den vergangenen Tagen war in beiden Häusern erst einmal wieder Ruhe eingekehrt. In Schillig soll ab diesem Wochenende, 6. und 7. Juni, voraussichtlich ganz geöffnet werden, in Jever zunächst weiter nur an den Wochenenden. „Der Arbeitsaufwand durch die vielen Auflagen ist für uns erheblicher als ich dachte. Es muss sich auch rechnen“, begründet Zillmer die Entscheidung. Alle warten nun gespannt auf die nächste Verordnung des Landes Niedersachsen. Die ist für den 10. Juni angekündigt. Dann wird sich zeigen, wie es mit der Kontaktbeschränkung weiter geht und ob es bei der erlaubten Auslastung von 60 Prozent bleibt. Das würde die Jugendherbergen noch tiefer in finanzielle Nöte bringen. Schon jetzt haben sie schwer gelitten und fallen bisher unter keinen der von der Politik geschaffenen Rettungsschirme. Gruppenreisen sind derzeit nicht erlaubt. Doch genau die sind es, die den Großteil der Buchungen – rund 70 Prozent – in Jugendherbergen ausmachen.
Schulklassen stehen noch im Buchungskalender
Noch sind nicht alle Gruppenreisen storniert worden. Auch Schulklassen stehen noch im Buchungskalender. Ob die in diesem Jahr noch kommen dürfen, bleibt jedoch abzuwarten. So richtig rechnet niemand damit. „Wir rechnen leider bis in das Jahr 2021 hinein mit hohen Einnahmeverlusten. Von einem Normalbetrieb sind wir leider noch sehr weit entfernt. Wir hoffen, dass wir nach den Sommerferien wieder in den Normalbetrieb gehen können, aber die Lage ist offen. Sollte es nach den Sommerferien weitere Verbote von Klassenfahrten seitens der Kultusministerien geben, stehen wir vor einem großen Problem“, sagt Thorsten Richter, Geschäftsführer des Landesverbandes Unterweser-Ems im Deutschen Jugendherbergswerk. Klassenfahrten für das kommende Jahr sind aber schon gebucht. „Das macht Mut“, sagt Petra Stanojevic. Und Ende des Monats beginnen die Sommerferien in Nordrhein Westfalen. Es werden viele Familien kommen, die ihren Urlaub sonst im Ausland verbracht hätten. Auch das hebt die Stimmung der beiden Hausleiterinnen in Schillig und Jever etwas. Auf Dauer wird das jedoch nicht reichen.
