Schillig/Wangerooge/Jever - Mit dem Verbot von touristischen Übernachtungen muss erneut der Großteil der Jugendherbergen im nordwestlichen Niedersachsen schließen. „Wir haben durchaus Verständnis für den beschlossenen Lockdown und leisten unseren Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie“, teilt Thorsten Richter, Geschäftsführer beim Deutschen Jugendherbergswerk (DJH), Landesverband Unterweser-Ems, mit. Sorge bereitet ihm der Blick ins nächste Jahr: „Uns droht eine erneute Stornowelle für 2021 und das weitreichende Ausbleiben von Neubuchungen.“
Welche Jugendherbergen sind seit Montag zu?
Der DJH-Landesverband Unterweser-Ems ist einer von 14 Landesverbänden und betreibt 27 Jugendherbergen, darunter die Häuser in Jever, Schillighörn, Neuharlingersiel, Esens-Bensersiel sowie auf Wangerooge und Langeoog. Seit Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown waren 23 Herbergen in Betrieb. Mit dem seit Montag geltenden Verbot von touristischen Übernachtungen sind aber nun alle 27 Herbergen vorerst geschlossen. Ob die Häuser noch in diesem Jahr wieder öffnen, ist unklar.
Wie hart trifft die erneute Schließung die Jugendherbergen?
Der durch die Corona-Pandemie entstandene wirtschaftliche Schaden ist immens: 2019 zählten die Jugendherbergen in Unterweser-Ems insgesamt rund 695 000 Übernachtungen von rund 234 000 Gästen, für dieses Jahr war eigentlich sogar mit einem Plus gerechnet worden. Doch Mitte März mussten alle Häuser schließen – kurz vor Beginn der Gruppenfahrten-Saison.
Diese Übernachtungen von Schulkassen, Freizeit- oder Firmengruppen, die rund 70 Prozent der Buchungen ausmachen, fielen nahezu komplett weg – „und damit auch ein Großteil unserer Einnahmen“, sagt Thorsten Richter. „Da der November und der Dezember zu den belegungsschwächeren Monaten zählt, trifft uns der zweite Lockdown aber nicht ganz so hart wie im Frühjahr.“ Sorge bereitet dem Geschäftsführer der Blick ins neue Jahr. Bisher sahen die Vorbuchungen für 2021 verhältnismäßig gut aus. Doch seit Bekanntgabe des „Lockdown-Light“ gebe es ein vermehrtes Stornoaufkommen für das erste Halbjahr.
Sind die Jugendherbergen in ihrer Existenz bedroht?
Durch die Corona-Pandemie befinden sich die Jugendherbergen in einer existenzbedrohenden Lage. Derzeit existieren vier Rettungspakete von Bund und Land, die für die Jugendherbergen im Nordwesten relevant sind. Aufgrund der Unterstützung – insbesondere der nun angekündigten Billigkeitsleistungen vom Land Niedersachsen – schaut der Verband „vorsichtig optimistisch in die Zukunft“. In Kombination mit eigenen Maßnahmen wie Kurzarbeit oder Investitionsstopps hofft der Landesverband, die Krise ohne Standort-Schließungen und Entlassungen zu meistern. Das ist aus heutiger Sicht aber wahrscheinlich nur möglich, wenn auch 2021 ein Rettungsschirm für die Jugendherbergen aufgespannt wird.
Wie steht es ums Personal?
Bisher gab es im Landesverband keine Corona-bedingten Entlassungen. Die Kurzarbeit ist noch nicht beendet, sondern gilt weiterhin für alle knapp 650 Mitarbeiter. Gearbeitet wird je nach Standort und Tätigkeit zu unterschiedlichen prozentualen Anteilen in Kurzarbeit.
Sind Klassenfahrten in Jugendherbergen im ersten Halbjahr 2021 möglich?
„Wir würden es sehr begrüßen, wenn die zuständigen Ministerien in der Kommunikation mit den Schulen darauf hinweisen, dass Buchungen von Schulfahrten grundsätzlich möglich und Stornierungen von Klassenfahrten mit Aufenthalten im Frühjahr 2021 oder später jetzt noch nicht notwendig sind“, so Thorsten Richter.
Mit umfangreichen Schutz- und Hygienekonzepten, einer angepassten Belegung und veränderten Programmangeboten haben sich die Jugendherbergen auf eine Corona-konforme Gästeunterbringung eingestellt. Dabei werde Lehrern, Eltern und Schülern mit den extra angepassten Storno-Bedingungen auch maximale finanzielle Sicherheit geboten. Denn alle Corona-bedingten Stornierungen von Klassenfahrten sind bis zum Tag der Anreise kostenlos.
