Tettens - Im Schatten einiger Bäume hat es sich der Schülerrat der Tetta-von-Oldersum-Schule an diesem Dienstagvormittag gemütlich gemacht. Die Kinder sitzen auf Kissen mit bunten Bezügen, genäht aus alten Wachstuchtischdecken. Eigentlich ist gerade Frühstückspause, doch der Schülerrat hat heute eine andere Aufgabe: Er soll erklären, warum die Tettenser Schule „Deutschlands grünste Grundschule“ ist.
Große Pflanzenvielfalt im Schulgarten
„Wir haben viele Obstbäume, drei Hochbeete mit Gemüse und einen Naschgarten“, sagt Zoë. „Hier wachsen Tomaten, Gurken, Kirschen, Kürbisse, Zucchinis, Salat, Kräuter, Radieschen, Erdbeeren, Kartoffeln, Paprika und vieles mehr“, zählt Evke auf und muss danach erst einmal Luft holen. „Wir haben auch jedes Jahr einen Gartentag, an dem wir uns um den Garten kümmern“, sagt Fenna. „Dann zupfen wir Unkraut, machen den Zaun schön, waschen das Gewächshaus, schneiden die Sträucher. Wir kümmern uns sehr gut, darum wächst hier auch alles so gut.“
Mit der Zeit wird die Runde unruhig, die Schüler wollen nicht nur reden, sondern endlich zeigen, was ihr Schulhof alles zu bieten hat. Von den alten Bäumen geht es vorbei am Gemüsebeet und der Weidenhütte zum Steinbeet, auf dem die Kinder gerne balancieren. „Aber im Sommer müssen wir hier gut aufpassen wo wir hintreten“, sagt Evke. „Hier verstecken sich gerne Frösche und Kröten, weil es dort feucht und schattig ist, das mögen sie“, weiß Zoë. Die Tiere kommen aus dem Tettenser Tief, das ans Schulgelände grenzt. Zum Beweis hüpft genau in diesem Moment ein kleiner Frosch vorbei, Evke entdeckt ihn sofort.
Tiere fühlen sich auf dem Schulhof wohl
Schnell wird klar: Nicht nur die Schüler fühlen sich auf ihrem Schulhof wohl, auch Insekten, Vögel, Schleiereulen, Igel und eben Frösche sind hier regelmäßige, aber vor allem gern gesehene Gäste. Das wird auch bei der nächsten Station deutlich. Ein Stück Garten ist eingezäunt, dort steht das Gewächshaus, in dem Tomaten, Gurken und Paprikas wachsen. Vor dem Haus befinden sich eine große Blühwiese sowie ein großes und zahlreiche kleine selbst gebaute Insektenhotels. Die finden sich, wie auch die ebenfalls selbst gebauten Vogelnistkästen und Futterstationen, auf dem ganzen Schulhof wieder. Am Gewächshaus stehen auch die schuleigenen Bienenstöcke, in der Imker-AG wird Honig hergestellt. Nicht vergessen wurde in diesem geschützten Bereich auch ein Winterquartier für Igel.
Das selbst angebaute Obst und Gemüse wird von den Kindern nicht nur gepflegt, sondern auch geerntet und gegessen – entweder wird es in der Koch-AG verarbeitet, an die Schüler verteilt oder es wandert direkt in den Mund, wie die ersten reifen und rot leuchtenden Erdbeeren, denen die Schüler bei ihrem Rundgang nicht widerstehen können.
Voller Stolz führen die Kinder über ihren Schulhof, ihre grüne Oase, die ihnen nicht nur Raum zum Spielen und Toben in der Pause bietet, sondern die sie mitgestalten und pflegen und von der sie lernen. Bereits seit 13 Jahren ist die Tetta-von-Oldersum-Grundschule auch Umweltschule in Europa. Eine erlebbare Natur und der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen wird hier groß geschrieben. „Es fühlt sich einfach richtig cool an, auf so einer Schule zu sein, weil man jeden Tag was Neues erlebt und jeden Tag was Gutes für die Umwelt tut“, bringt es Zoë auf den Punkt.
Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch den Schulalltag
Das spiegelt auch die umfangreiche Bewerbungsmappe wider, die Lehrer und Schüler für den Wettbewerb „Deutschlands grünste Grundschule“ mit Text und Fotos gestaltet haben. Die kam bei dem Kölner Schultaschenhersteller Ergobag, der zu dem Wettbewerb aufgerufen hatte, so gut an, dass es die Tettenser ins Finale schafften. Damit war es aber nicht getan. „Wir mussten noch 30 Fragen zum Thema Nachhaltigkeit beantworten – damit haben wir am Ende gepunktet und überzeugt“, sagt Martina Schilling-Raatz von der Schulleitung.
Denn das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch den Schulalltag, wird hier regelrecht gelebt. „Letztens haben wir eine ganze Kreativ-Woche veranstaltet“, erinnern sich die Kinder. Das Thema: Müll-Design. Seither wachsen Salatköpfe auch in alten Schulranzen und Blumen in alten Reifen, einem alten Grill oder alten Gummistiefeln.
Schulgarten ist über Jahre gewachsen
Gewonnen hat die Schule bei dem Wettbewerb drei Bio-Hochbeete und die Teilnahme am nachhaltigen Bildungsprojekt „Ackerhelden machen Schule“ – und die verdiente Anerkennung für die jahrelange Arbeit. Angelegt wurde der Schulhof einst nach Vorgaben der „Holunderschule“ – so entstand ein naturnaher Außenspielraum, der mit der Zeit gewachsen ist. Das Projekt, das an der Schule, aber auch im Ort generationsübergreifend von allen getragen wird, ist ein ewiger Prozess. „Genauso wie eine Gemeinschaft wächst, ist auch der Garten über Jahre gewachsen. Es ist ein Prozess, der lange noch nicht aufgehört hat“, sagt Martina Schilling-Raatz, die einen sehnlichen Wunsch verrät: ein grünes Klassenzimmer. Das fehlt nämlich noch.
