Wangerland - Der Verkauf des Gästehauses Hooksiel ist für die Gruppe „Gemeinsam fürs Wangerland“ (GfW) nach wie vor unverzichtbar. Das betonte die Mehrheitsgruppe im Rat der Gemeinde Wangerland, die sich in diesem Jahr aus der Gruppe CDU/FDP, den Grünen und der UWW zusammengeschlossen hat, jetzt in einer Presseinformation.
Als Mehrheitsgruppe habe man in diesem Jahr wichtige Beschlüsse auf den Weg gebracht und verfolge nach wie vor die Umsetzung des Leitbildprozesses, der einst einstimmig vom Rat verabschiedet wurde. „Wir wissen, dass für die Fortführung dieses Prozesses, Investitionen notwendig werden. Diese Mittel müssen auch durch Kostensenkungen erwirtschaftet werden, deshalb wurde schon 2013 die Vermarktung des Hallenwellenbades in Hooksiel und des Gästehauses beschlossen“, heißt es in der Presseinfo. Als Investoren bekannt und Pläne konkret wurden, habe dies die Bürgerinitiative Hooksiel auf den Plan gebracht. „Die Bürgerbeteiligung ist ein hohes demokratisches Gut, das wir deshalb auch unterstützen“, schreibt die Gruppe GfW. Auf ihre Initiative hin sei im August der Umbau des Hallenbades zu einem Familien- und Freizeitzentrum mit Mehr-Generationen-Angebot gestoppt worden.
Der Verkauf des Gästehauses sei aber nach wie vor erforderlich. „Investitionen in die Campingplätze Hooksiel und Schillig, die Modernisierung der Ferienwohnungslandschaft und andere touristische Infrastruktur, wie zum Beispiel der Gesundheitstourismus, sind favorisiert“, schreibt die GfW. Damit gehe der Verzicht auf Gebäude und Liegenschaften, die die Wangerland Touristik GmbH nicht mehr touristisch benötige, einher. Das aber, so kritisiert die GfW, „war der Bürgerinitiative nicht zu vermitteln“. Deshalb komme es nun zu einem Bürgerentscheid bei dem es um den Erhalt des Gästehauses geht.
Weiter moniert die Mehrheitsgruppe: „Leider hält sich die Bürgerinitiative nicht an Fairness in der Argumentation und der Wahrheitsgehalt ihrer Bürgerinformationen geht gegen Null.“ So sei ein Abriss des Gästehauses nicht vorgesehen, die Vermietungen und Verpachtungen in dem Haus blieben erhalten, solange wie der Vertrag bestehe, und könnten innerhalb des Konzeptes „Helping Hands“ auch weiterhin angeboten werden. Dass ein Kurpark, den Hooksiel für die Prädikatisierung als Nordseebad vorweisen muss, nur auf dem Areal um das Gästehaus umgesetzt werden könne, bezeichnet die Mehrheitsgruppe in ihrer Presseinfo als „Märchen, weil an anderer Stelle realisierbar“.
Zudem seien keine 100 Ferienwohnungen in Verbindung mit dem Gästehaus geplant und alle bisher angebotenen Veranstaltungen am und im Gästehaus seien an anderer Stelle besser und publikumswirksamer umsetzbar.
„Dringend benötigte Einnahmen für zukünftige Investitionen – zum Beispiel: Campingplatz in Hooksiel, Attraktivierung des Alten Hafens in Hooksiel – kämen durch die Einsparung von 166 000 Euro jährlich der Realisierung näher“, heißt es in der Mitteilung. So viel könnte die WTG jährlich einsparen, wenn das Gästehaus verkauft würde. Die Herausforderungen für die Gemeinde werden im kommenden Jahr lauf GfW sein: der Fortgang im Leitbildprozess, Mittel für den lange vernachlässigten Wegebau bereitzustellen und die Corona-bedingten wirtschaftlichen Folgen abzumildern.
Reaktion der Bürgerinitiative
„Die Stellungnahme der Mehrheitsgruppe im Rat der Gemeinde Wangerland für einen Verkauf des Gästehauses in Hooksiel ist erschreckend“, schreibt die Bürgerinitiative Hooksiel und stellt einen Fragekatalog an die Mehrheitsgruppe zusammen. Beginnend mit der Frage, wen die GfW-Gruppe damit überzeugen möchte, „dass man mit einer Einsparung von 166 000 Euro die Millionen-Investitionen auf den Campingplätzen und im Alten Hafen Hooksiel gewährleisten will“. Die BI ist nach wie vor der Auffassung, „dass sich hinter ,Helping Hands‘ nichts anderes als die Absicht eines Investors versteckt, das Gästehausgelände mit mehr als 100 Ferienwohnungen zuzupflastern“. Zudem führen die Verantwortlichen der BI an, dass eine schnelle Anerkennung Hooksiels als Nordseebad von einem Kurpark abhängig sei, „der nach geltendem Recht nur am Gästehaus liegen kann“. Auch fragt die BI, warum sich die Mehrheitsgruppe über den Wunsch der Bürger eines ganzen Dorfes, das Gästehaus und das dazugehörige Gelände zu erhalten, einfach hinwegsetze. „Warum reagiert diese nur dem Namen nach für Gemeinsamkeit stehende Mehrheitsgruppe nicht auf die zahlreichen Gesprächsangebote der Bürgerinitiative? Sollte es nicht unser gemeinsames Ziel sein mit allen Kräften die Eigenarten und Besonderheiten unserer Dörfer zu stärken und weiterzuentwickeln?“, fragt die BI.
Reaktion des Seebadevereins
„Es hat bereits in der Vergangenheit Runde Tische zu Attraktivierung des Alten Hafens und des Campingplatzes in Hooksiel gegeben. Passiert ist nichts“, so Erwin Abels, Vorsitzender des Seebadevereins gegenüber unserer Redaktion. Demnach würden allein die Sanierung des Alten Hafens und des Campingplatzes Kosten in Millionen Höhe verursachen. Da wären die jährlich eingesparten 166 000 Euro durch den Verkauf des Gästehauses ein Tropfen auf den heißen Stein.
Zudem befürchtet Abels, dass Hooksiel im Kampf um Touristen abgehängt werden soll. „Mit dem Bau des Gästehauses wurde der Gästebeitrag in Hooksiel um 50 Pfennig erhöht. Infolge dessen sind Einnahmen in Millionenhöhe erwirtschaftet worden, die jedoch hier nicht angekommen sind“, ist Abels überzeugt.
