Wangerooge - Er ist ein Wegweiser in dunklen Zeiten, leuchtet für die Menschen, die nicht mehr klar sehen können. Er steht fest und beständig, während es um ihn herum stürmisch und aufbrausend sein kann. Er ist nicht nur ein Seezeichen, sondern ein Symbol für Sehnsucht, Ruhe, Meer und die Küste: der Leuchtturm. Ende vergangenen Jahres haben Stefan Kruecken und Olaf Kanter mit dem Verlag Ankerherz das erste „Kleine Buch vom Meer“ herausgebracht – es widmete sich den Inseln und legte sowohl mit der Aufmachung und dem Layout als auch mit den interessanten und unterhaltsamen Informationen mächtig vor.
Jetzt ist der zweite Band erschienen – und der kann in jedem Fall mithalten. Stefan Kruecken und Olaf Kanter stellen Leuchtturm-Geschichten, Episoden, Leuchtturm-Filme- und Buchtipps, Leuchtturm-Gedichte und sogar eine Graphic Novel vor. Sie erzählen von den höchsten, skurrilsten, ältesten und schönsten Leuchttürmen. Eine tabellarische Übersicht der Signale vom Turm gibt es ebenso wie Antworten auf die Frage, warum ein Leuchtturm eigentlich so hell und so weit strahlt.
Auch der „Rote Sand“ hat einen Platz in dem Buch. Der Leuchtturm steht nordöstlich von Wangerooge, „ein echtes Wahrzeichen des Nordens“. 1885 ist er nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellt worden. „Der rot-weiße Turm, der rund dreißig Seemeilen vor Bremerhaven in der Außenweser steht, gilt als ältestes Offshore-Denkmal der Welt“, erfährt der Leser des Buches. Bis 1964 brannte auf seiner Spitze ein Seefeuer mit großer Reichweite, danach gab es nur noch ein kleineres Licht, bis es 1986 gelöscht wurde. „Im Deutschen Kaiserreich wurde er als Symbol des Fortschritts gefeiert.“
Dieses zweite „Kleine Buch vom Meer“ sollte im Bücherregal direkt neben dem ersten Band stehen. Technische Informationen stehen neben persönlichen Geschichten über Leuchtturmbauer und Leuchtturmwärter – wieder ist den Autoren eine Abwechslung gelungen, wie sie schon im Inselbuch zu finden ist und es so kurzweilig macht. Und ein kleiner, aber nicht unerheblicher Nebeneffekt: Die Herausgabe dieses Buches passt genau in diese Zeit. Eine Zeit, die unruhig ist, in der man nicht „auf weite Sicht“ fahren und nichts planen kann. Was könnte da besser passen, als ein Buch über etwas, das den Menschen Halt, Sicherheit und Sicht geben kann?
