Wangerooge/Langeoog/Spiekeroog - Während sich die Gemeinde Wangerooge und der Landkreis Friesland einig darüber sind, dass die Zugangsbeschränkung zur Insel aufgrund der Corona-Krise noch weiterhin gelten soll, sieht das in Wittmund und Aurich anders aus. Beide Landkreise lockern ab Montag für ihre Inseln den Zugang für Handwerker. Verwandte, Urlauber und Zweitwohnungsbesitzer dürfen aber weiterhin nicht auf die Inseln – nur in besonderen Ausnahmefällen und mit einer Genehmigung. Das stößt bei vielen Inselbewohnern und Inselpolitikern auf Unverständnis und Kritik.
Bürgermeisterin Heike Horn kritisiert die Lockerung
Langeoogs Bürgermeisterin Heike Horn kritisierte am Samstag in einer Pressemitteilung, dass die neue Regelung „etliche Fragen“ aufwerfe. Vom Grundsatz her, so die Bürgermeisterin, sei die Entscheidung des Landkreises Wittmund, dass das Baugewerbe weiter tätig sein darf, nachvollziehbar. Schließlich gebe es auch auf dem Festland keine Baueinschränkungen.
„Es stellt sich in der Tat aber die Frage, warum erst nein und jetzt ja zur Beförderung von Handwerkern gesagt wird“, schreibt Heike Horn und fügt hinzu: „Beantworten kann ich diese Frage leider nicht.“ Die Langeooger hätten die Anordnungen des Landkreises bislang befolgt und werden dies auch weiterhin tun, versicherte Heike Horn. Dennoch behalte sie sich vor, „dass die Gemeinde Langeoog prüft, ob die Regelung – Handwerker ja, Verwandtschaft ersten Grades nein – wirklich geltendem Recht entspricht“.
Spiekerooger Ratsmitglieder schreiben Landrat Heymann
Auch fünf Spiekerooger Ratsmitglieder äußern in einer offenen E-Mail an Wittmunds Landrat Holger Heymann ihr Erstaunen über die Lockerung des bislang bestehenden Beförderungsverbots. In dem Schreiben heißt es, dass die Ratsmitglieder und der Bürgermeister ihre Bedenken gegenüber dem Landrat nachdrücklich geäußert hätten. „Heute nun ist das alles nichts mehr wert“, beklagen die fünf Ratsmitglieder.
Die Einschätzung der Hier-Vor-Ort-Lebenden sei offensichtlich nachrangig wichtig, heißt es weiter. Abschließend betonen die Fünf: „Wir sind auch heute noch für eine Verschärfung der Beförderungsbestimmungen und sehen eine Lockerung sehr kritisch. Wir teilen die Sorge vieler Spiekerooger, dass eine Lockerung der aktuellen Beschränkungen schlimme Folgen haben könnte. Wir bitten Sie, bei zukünftigen Entscheidungen die Besonderheiten der Insellage zu berücksichtigen.“
Handwerker kommen aus Gebieten mit hohen Infektionszahlen
Und auf genau diese Besonderheiten hatte zuletzt auch der Wangerooger Bürgermeister Marcel Fangohr immer wieder verwiesen. So heißt es in einer Pressemitteilung der Gemeinde- und Kurverwaltung unter anderem, dass „die Personenanzahl von Handwerkern und Bauarbeitern gegenüber 1300 Einwohnern kein untergeordnetes Verhältnis mehr darstelle und die begrenzte ärztliche Versorgung in dieser Ausnahmesituation erheblich belasten würde“.
Besonders problematisch wäre zudem, dass ein Großteil der Baufirmen, die auf der Insel tätig sind, nicht aus der Umgebung, sondern aus Regionen kommen, in denen die Infektionszahlen vier bis sieben mal höher als im Landkreis Friesland seien. Und das erhöhe das Risiko, dass sich das Virus auf der Insel verbreite.
Auf Wangerooge gab es bereits 350 Ausnahmegenehmigungen für Handwerker und Bauarbeiter, bevor die Zugangsbeschränkung für externe Baufirmen, die nicht in der kritischen Infrastruktur arbeiten, in Kraft trat. Und die Anfrage nach solchen Ausnahmegenehmigungen war tendenziell steigend, sodass mit bis zu 500 Handwerkern zu rechnen gewesen wäre, berichtet die Kurverwaltung.
