WANGEROOGE - Die Schüler und Lehrer der Inselschule Wangerooge haben zum 70. Jahrestag des verheerenden Bombenangriffs auf Wangerooge mit vielen Toten am Vormittag des 25. April einen Projekttag veranstaltet. Die Lehrer Klaus Brüggerhoff, Elke Gerdes, Marco Freimuth und Bernhard Wetzstein zeichneten für die Organisation des Projekttages verantwortlich.

Neben einem großen Puzzle aus Friedensmotiven, Graffiti mit Antikriegsparolen, Collagen, Plakaten für eine Litfaßsäule, Handzetteln und Plakaten, die auf die Feierstunden am Vormittag in der Schule und am Nachmittag auf dem Ehrenfriedhof hinwiesen und im Dorf verteilt wurden, der Gestaltung eines Gedenkbaumes, von Blumenschmuck für die Feierstunde, Friedenswünschen auf Postkarten, fertigten die Schüler auch einlaminierte Fotos an, die zerstörte Häuser nach dem Bombenangriff zeigen. Die Fotos befestigten sie an diesen Gebäuden im Dorf.

Zeitzeugen wurden befragt, das Areal um den Ehrenfriedhof wurde aufgeräumt, Gedichte zum Thema Krieg und Frieden wurden im Internet recherchiert und eine Karte mit Konfliktregionen von heute wurde erstellt. Und alle Projekte werden sich dank der Schülerzeitungsreporter demnächst in der Internetschülerzeitung 'Tintenkläääx' wiederfinden.

Der Bezug zu heute fiel den Schülern nicht schwer, haben sie doch seit fast einem Jahr einen Kirchenasylbewerber aus Somalia im Kreise ihrer Schule aufgenommen, dessen Schicksal auf beeindruckende Weise – sowohl in Form eines Kunstwerkes an der Nikolaikirche, als auch durch einen visualisierten Rapp, den Max selbst singend mit seinen Klassenkameraden der 10H/R vortrug – aufgezeigt wurde. Diakonin Tina von Pentz ermunterte abschließend zudem die Teilnehmer der Feierstunde, eine Petition an die Landesregierung in Hannover mit der Appell zu unterschreiben, dass Max nicht nach Italien abgeschoben wird und auf Wangerooge arbeiten darf.

Bürgermeister Dirk Lindner wartete in seiner Ansprache mit einer Überraschung auf. In der Nacht zum Sonnabend war ihm ein Schreiben des Deutschen Botschafters in Canberra (Australien) zugegangen, der einen Brief des heute 92-jährigen Bomberpiloten Lawrence Larmer enthielt, der während des Zweiten Weltkrieges in der königlichen australischen Luftwaffe diente, an dem Bombenangriff des 25. April 1945 auf Wangerooge beteiligt war und durch sein Schreiben der Wangerooger Bevölkerung sein tiefstes und aufrichtiges Mitgefühl aussprechen wollte: 'Ich schreibe Ihnen heute, um Ihnen mitzuteilen, dass ich am 25. April 1945 mit dabei war, als Ihr Ort bombardiert wurde. Ich kann mich nicht daran erinnern, was der Grund für dieses militärische Kommandounternehmen war und entschuldige mich nicht dafür. Aber ich bedaure zutiefst und wahrhaftig, dass wir für den Tod und Verletzungen so vieler unschuldiger Zivilisten verantwortlich waren – Männer, Frauen und Kinder. Unglücklicherweise finden heute Kriege nicht zwischen Militärs statt; gute Leute auf beiden Seiten leiden und sterben.'

Auch Antke Schöppe-Siemens und Inselchronist Hans-Jürgen Jürgens richteten einige mahnende Worte an die Gäste der Feierstunde. Für alle in Erinnerung bleiben werden aber die ergreifend, persönlich vorgetragenen Schilderungen von Erlebnissen der drei Zeitzeugen Marlis Stenzel, Hans-Ulfert 'Peo' Post und Jochen Brandes, die bei der Erinnerung an diesen 25. April 1945 mit ihren Gefühlen ringen mussten.