Wardenburg - Im Streit um die Zukunft des Benthullener Moors verteidigt die Untere Naturschutzbehörde ihre Position, dass das im Jahr 2000 ausgewiesene Naturschutzgebiet vom Abtorfen und anschließenden Wiedervernässen der landkreiseigenen Flächen im sogenannten Kilometerquadrat profitieren werde. Anders sei das bereits Mitte der 90er Jahre über alle politischen Gremien vereinbarte Ziel einer Hochmoorrenaturierung nicht erreichbar.
Die Behörde hat Ende September in einer Stellungnahme des Niedersächsischen Umweltministeriums zum Naturschutzgebiet Benthullener Moor Rückendeckung erhalten. Das vom Landkreis Oldenburg mit Leader-Mitteln entwickelte Konzept für die naturschutzfachliche Entwicklung des Benthullener Moors berücksichtige die „im Gebiet vorhandenen Torfqualitäten, die bestehende genehmigte Abtorfungssituation, die bisher gewonnenen Erfahrungen sowie die Ergebnisse der zusätzlichen gutachterlichen Untersuchung“, heißt es in einem Schreiben aus Hannover. Das Konzept sei schlüssig und die Zielsetzungen seien fachlich gut begründet.
Samendruck der Birken
In einer weiteren Stellungnahme zum „Integrierten Entwicklungskonzept Naturschutzgebiet Benthullener Moor“ kommt Ingenieur Eckhard Schmatzler, Fachgruppe Natur- und Umweltschutz des Niedersächsischen Heimatbundes, zum Ergebnis, dass die Flächen ohne Wiedervernässung sich weiter zu Moorwäldern entwickelten. Der natürliche Abbau der Torfe werde ebenfalls fortschreiten. Dabei wachse der von den Birken ausgehende Samendruck auf die Renaturierungsflächen der ehemaligen industriellen Abtorfung, so dass die Hochmoorrenaturierung stark beeinträchtigt sei.
Ein Entwicklungsszenario, das nur das Wiedervernässen der bisher in der Abtorfung befindlichen Flächen berücksichtige, sei die „schlechteste Lösung“, da nur auf den aktuellen Abbauflächen eine Hochmoorrenaturierung sicher zu erwarten sei.
Gegenüber der NWZ bestätigte Eva-Maria Langfermann, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, dass es „extrem unterschiedliche Auffassungen“ zwischen der Gemeinde und der Behörde zur weiteren Entwicklung des Moors gibt.
Nichts tun keine Lösung
Gleichwohl sei sie überzeugt, dass ein Kompromiss, der beide Seiten zufrieden stelle, noch möglich ist. Gemeinsam mit der Gemeinde habe der Landkreis schließlich erfolgreich gegen die große Ausweisung neuer Abtorfungsflächen (etwa 1250 Hektar) im Landesraumordnungsprogramm interveniert.
Sowohl Gemeindeverwaltung, Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems als auch Wardenburgs Ratsfraktionen sind allerdings strikt gegen die Freigabe der 46 Hektar landkreiseigener Flächen zur Abtorfung – die NWZ berichtete.
Das Kilometerquadrat einfach sich selbst zu überlassen, ist laut Langfermann, keine Lösung. „Das Moor degeneriert, das heißt, der Rohstoff löst sich auf, und es entsteht ein gestörter Hochmoorstandort.“ Die von CDU und UWG/FWG in mehreren Anträgen geforderte öffentliche Diskussion über das Benthullener Moor werde es im Kreis noch geben.
„Vorher müssen alle Kreistagsabgeordnete die Chance erhalten, sich objektiv zu informieren.“ Der Landkreis wolle außerdem die laufende Flächennutzungsplanänderung der Gemeinde, die das Gebiet betreffe, abwarten.
