Alicante/Oldenburg - Vier Tage nach dem Start in der spanischen Mittelmeer-Stadt Alicante liegen die sieben Teilnehmer des Volvo Ocean Race noch vergleichsweise dicht beieinander. Am Mittwoch führte auf Höhe der Kanarischen Inseln die „Abu Dhabi Ocean Racing“ des britischen Skippers Ian Walker.

Am Sonntag waren die Crews und die Segelboote – diese sind jeweils 65 Fuß (20,3 Meter) lang – von rund 50 000 Zuschauern verabschiedet worden. Neben den sechs Männer-Teams aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, China, Spanien, Niederlande und Dänemark ist erstmals seit 2002 auch wieder eine Frauen-Crew unter schwedischer Flagge dabei. Skipperin des Teams SCA ist die Britin Samantha Davies.

Der Meeres-Marathon führt die Teilnehmer über 38 739 Seemeilen (71 700 km) um den Globus. Die erste der neun Etappen ist die zweitlängste, Anfang November werden die Teams in Kapstadt erwartet. Die insgesamt neun Monate lange Härteprüfung für Mensch und Material endet am 27. Juni 2015 in Göteborg/Schweden.

Deutsche Boote oder Segler sind nicht am Start. Robert Stanjek (Berlin), Olympia-Teilnehmer von 2012, war nach der Trainingsphase des niederländischen Teams Brunel nicht von Skipper Bouwe Bekking berufen worden.

Die Britin Davis, die am Mittwoch auf Rang vier lang, will das Feld aufmischen. „Wir werden zeigen, dass wir hier hingehören“, hatte die 39-Jährige, die im November auf der Regatta ihren runden Geburtstag feiern wird, vor dem Start erklärt. Immerhin dürften die Männer nur acht Segler an Bord haben, „während uns Frauen das Reglement elf Crew-Mitglieder erlaubt. Das sind drei zusätzliche Gehirne“, sagte Davies.

Die extreme Anstrengung für den Körper bei niedrigsten Temperaturen, stärksten Winden und kaum Schlaf sei der Grund, warum in den letzten drei Auflagen immer weniger Frauen teilgenommen haben. Oft sind die Segler bei der gefährlichen Hochsee-Regatta während der Etappen drei Wochen ununterbrochen auf dem Wasser, verbrennen bis zu 6000 Kalorien am Tag. Auf offener See gibt es kein fließend Wasser, der Regen ersetzt die Dusche und die Athleten begnügen sich mit „Astronautennahrung“. Nicht nur Davies und ihre Crew essen meist Proteinriegel und „Pulver-Fraß“. Zu trinken gibt es entsalztes Meerwasser.

Die Regatta, die in den ersten Jahren noch „Whitbread Race“ hieß, wird seit 1973 ausgetragen und findet alle drei Jahre statt. 2002 hatte die deutsche Yacht „Illbruck“ unter Führung des US-amerikanischen Skippers John Kostecki gewonnen.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)