Wer über die Reise von Greta Thunberg in die USA gelesen hat, wurde darüber informiert, dass nicht nur die Bedingungen an Bord unseres Oldenburger Skippers Hermann spartanisch sind, sondern auch darüber, dass Greta erheblich unter einer Bewegungskrankheit (Seekrankheit) litt.
Was sind Bewegungskrankheiten? Früher waren vor allem Seeleute betroffen, heute aber auch Menschen, die Kreuzfahrten machen, oder Personal, das im Bereich der Offshore-Windindustrie arbeitet. Natürlich gibt es diese Situation auch beim Autofahren oder im Flugzeug. Neuerdings gibt es das Bild der „simulator sickness“, bei dem es durch Videospiele oder beim Einsatz von Virtual-Reality-Brillen zu Beschwerden kommt, die einer Seekrankheit entsprechen. Frühe Symptome sind zunehmendes Desinteresse, Müdigkeit, Unwohlsein bis zum Erbrechen und deutlichen Krankheitsgefühl.
Zum einen informiert uns das Auge über eigene Bewegungen oder auch der Umgebung. Unser Gleichgewichtsorgan ist Teil des Ohrs und wird als vestibuläres System bezeichnet. Durch Beschleunigung und Drehbewegung wird das System in den Bogengängen des Innenohres erregt. Zusätzlich erhalten wir Informationen über Stellung, Bewegung und Kraft, über Meldungen aus den Gelenken und der Skelettmuskulatur. Wenn es zu widersprüchlichen Informationen (Auge- Vestibularapparat) kommt, zum Beispiel Wellen vom Deck eines schwankenden Schiffes oder Drehbeschleunigung in einem Karussell auf dem Jahrmarkt oder beim Lesen unter Deck auf dem Schiff, kommt es zu sogenannten sensorischen Konflikten.
Es gibt eine Reihe von Strategien, die diese Bewegungskrankheit beeinflusst oder vermeidet, zum Beispiel Sicht auf den Horizont, Vermeidung von Bewegungen (vertikal), im Auto möglichst Sicht nach vorn, zusätzlich tiefe Zwerchfellatmung. Manchmal tritt nach gewisser Zeit eine Gewöhnung an die Bewegungsmuster ein. Alternativen zur Symptomlinderung sind Ingwer oder Vitamin C.
Die medikamentöse Behandlung besteht entweder in der Gabe von Anticholinergika oder von Antihistaminika. Letztere müssen mehrfach am Tag gegeben werden, eventuell auch schon vor Reisebeginn. Leider haben diese Mittel Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Müdigkeit, Verstopfung oder Kopfschmerzen.
Anticholinergika gibt es als Pflaster, welches man etwa sechs Stunden vor Antritt der Reise anwenden sollte. Leider wird man bei dieser komplexen Symptomatik ganz individuell herausfinden müssen, mit welcher Strategie man eine Bewegungskrankheit verhindern kann. Insbesondere ist das Problem der Nebenwirkungen der Therapie zu beachten. Man muss also oft im Wege des Testes herausfinden, mit welchem Mittel man diese unangenehmen Symptome, die so manche Reise beeinträchtigen können, mildern oder verhindern kann.
Die Erfahrung zeigt, dass auch ohne eine Therapie die Symptome nach einigen Tagen bei einer Seereise durch Gewöhnung an die Bewegungsmuster deutlich rückläufig sein können.
