BALINGEN/DüSSELDORF - Bei einer Massage denken viele Menschen zuerst an weiche Hände, die verspannte Muskeln sanft durchkneten. Doch mittlerweile hat sich im Wellnessbereich eine weitere Form etabliert: Bei der Hot-Stone-Anwendung wird der Körper mit warmen Steinen massiert. Diese übertragen ihre Wärme auf den Körper und sorgen so für ein angenehm entspannendes Gefühl.
Woher diese Form der Massage genau stammt, ist unklar. „Möglicherweise hat sie ihren Ursprung auf Hawaii, wo es eine alte Tradition der Ureinwohner war, sich mit den Steinen von Schmutz zu befreien, gleichzeitig aber auch die Durchblutung anzuregen“, sagt Dagmar Fleck, Steinheilkunde-Expertin und Buchautorin aus Balingen (Baden-Württemberg). Allerdings wurde Ähnliches auch schon bei Indianern und asiatischen Naturvölkern gesehen.
Glatt geschliffen
Eingesetzt werden Basaltsteine. „Sie sind sehr hart und haben ein sehr gutes Wärmeleitungs- und Speichervermögen“, erklärt Hans-Ulrich Jabs vom Deutschen Wellness Verband in Düsseldorf. Jeder Therapeut nutzt gleich einen ganzen Satz verschieden großer Steine. „Kleinere können beispielsweise zwischen den Zehen, größere am Rücken oder Oberschenkel eingesetzt werden.“ Wichtig ist vor allem, dass sie möglichst glatt geschliffen sind – am besten auf natürlichem Weg, zum Beispiel durch die Brandung.
Zu der Hot-Stone-Behandlung gehören ein statischer und ein dynamischer Teil. „Zuerst werden die statischen Steine in einem Wasserbad auf etwa 60 Grad aufgewärmt, auf die Massagebank gelegt und mit einem Tuch abgedeckt“, erklärt Jabs. Darauf lässt sich der Kunde nieder, sodass die Steine u. a. neben der Wirbelsäule liegen und einige Minuten ihre Wärme abgeben können. „Anschließend werden die zu massierenden Körperstellen mit einem warmen Öl eingerieben.“ Der Behandler nimmt dann – ebenfalls erwärmte – Steine in seine Hände und beginnt die Massage. „Durch die Steine, die wie eine Ergänzung der Handfläche sind, werden die Gelenke des Masseurs entlastet, weil er nicht so stark drücken muss“, erläutert Jabs.
Viele Massierte berichteten sogar, dass sie die Steine kaum spüren, sondern vor allem die Wärme. Die Hot-Stone-Massage bringt aber nicht nur Entspannung. „Durch die Massage und die Wärme werden die Durchblutung und der Lymphfluss angeregt sowie das Bindegewebe von Giften und Schadstoffen befreit“, sagt Dagmar Fleck.
„Empfohlen wird die Anwendung, die meist 45 oder 60 Minuten dauert, vor allem für gestresste Menschen“, fügt die Entspannungspädagogin Christine Koller aus Steyerberg (Niedersachsen) hinzu. „Sie kommen zur Ruhe und können entschleunigen.“ Wegen der Tiefenentspannung durch die warmen Steine ist sie auch bei Menschen mit Muskelverspannungen etwa im Nacken- oder Lendenbereich beliebt.
Nicht für jeden geeignet
Doch nicht jeder sollte sich mit den warmen Steinen behandeln lassen. „Es ist nicht geeignet für kleine Kinder und Menschen, die besonders kälte- oder hitzeempfindlich sind“, warnt Koller. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Schwangerschaft, fieberhaften Infekten oder entzündlichen Gelenkerkrankungen sollte die Massage ebenfalls nicht angewandt werden.
Auch die Wahl des Therapeuten sollte sorgfältig sein, ergänzt Jabs. „Wenn jemand keine Fragen zu dem energetischen Zustand oder Gelenksentzündungen stellt, sollte man vorsichtig sein.“ Schließlich sei es wichtig zu wissen, wie der Kunde auf Wärme reagiert. Die Behandlung sollte nicht mehr als 1,50 Euro pro Minute kosten. „Falsch ist auch, wenn die Steine direkt auf den Körper gelegt werden“, betont er. „Das kann zu Verbrennungen führen.“
