Die 58 Jahre alte Jahre alte Frau, die mir in meiner Sprechstunde gegenüber sitzt, wirkt fast etwas stolz. Dazu hat sie auch Grund: Ich erinnere mich noch gut, wie sie vor fünf Jahren ausgesehen hat: Damals hat sie zwölf Kilo mehr gewogen und hatte eine müde und saftlose Ausstrahlung. Ihre Wirbelsäule tat ihr täglich weh. Auch in Knie- und Fußgelenken hatte sie häufig Schmerzen. Sie fühlte sich steif und unbeweglich und war es auch.

Als ich ihr dann noch erklärte, dass ihr Blutdruck zu hoch wäre und ihr Blutzucker an der Grenze, reichte es ihr. Nein, Blutdrucksenker und perspektivisch auch noch Zuckertabletten wollte sie nicht einnehmen. Sie änderte ihren Alltag und damit ihr Leben: Sie baute Zeit für Bewegung und Sport in ihren Wochenplan ein.

Meine Patientin startete mit Yoga und Walking. Dadurch wurde sie beweglicher und bekam bessere Ausdauer. Auch ihre Ernährung veränderte sie. Sie selbst sagt, dass Ihre Ernährungsänderung mit mehr Bewegung wie von selbst kam: weniger Süßes, weniger Zucker und einfache Kohlenhydrate. Dafür jeden Morgen Haferflocken mit Mandelmilch und einem Stück Obst, und mittags und abends als großzügige Beilage immer Gemüse. Yoga macht sie bis heute. Aus Walken ist Joggen geworden.

Unser Körper ist nicht fürs Sitzen gebaut, sondern für Bewegung. Bewegung ist das Lebenselixier unseres Körpers. Und weil die meisten Menschen heutzutage ein Gutteil ihrer Zeit am Schreibtisch verbringen, ist es so wichtig, zumindest in die restliche Zeit Bewegung einzubauen.

Das machen Sie im Optimalfall so, dass Sie Ihren Körper immer wieder fordern. Auch dafür ist er konstruiert. Bewegen Sie sich nicht nur, sondern machen Sie Sport. Also irgendein Training, bei dem Sie immer mal wieder ins Schwitzen kommen.

Ob Sie sich für Ausdauer- oder Kraftsport entscheiden, ist unwesentlich. Wichtiger ist, dass Sie dabei Spaß haben. Viele Schreibtischtäter, aber auch Handwerker mit ihren oft einseitigen Bewegungen, bekommen im Laufe ihres Lebens Probleme mit Rücken oder Gelenken.

Den Satz, ich würde ja gern Sport machen, aber ich muss meinen Rücken und meine Kniegelenke schonen, habe ich schon oft gehört. Was logisch klingt, ist schlicht falsch. Schonung führt zu schlechterer Durchblutung von Muskeln, Bandscheiben und Gelenken. Und zum Abbau der Muskulatur.

Im Resultat werden die Schmerzen nicht weniger, sondern mehr. Auch Beweglichkeit und Ausdauer werden noch schlechter.

Das einzige, was sich beschleunigt, ist der Alterungsprozess. Gerade steife und vorgeschädigte Wirbelsäulen und Gelenke brauchen Aktivität. Das heißt natürlich nicht, dass für einen Mensch mit chronischem Kniegelenkverschleiß Fußballspielen das Richtige ist, oder jemand, der gerade einen Bandscheibenvorfall hinter sich hat, Bodenturnen beginnen soll.

Aber für jeden Menschen und für jeden Gesundheitszustand gibt es passende Sportarten. Suchen Sie sich Ihren Sport und starten Sie. Die Jahreszeit ist günstig!