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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Wellness & Fitness

Dem Schmerz ein Schnippchen schlagen

13.08.2011

BERLIN Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Fachleute gehen von mehr als 165 verschiedenen Kopfschmerzarten aus. Eine davon ist Migräne, unter der etwa elf von 100 Menschen leiden.

„Die Migräne ist ein starker, einseitiger, klopfender bis pulsierender Kopfschmerz, der vier bis 72 Stunden anhält“, beschreibt Uwe Reuter von der Charité in Berlin die Symptome. Der Schmerz werde meist von mindestens einem weiteren Symptom begleitet. Dazu gehören Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht oder Gerüchen sowie Übelkeit und Erbrechen. Die Anzeichen treten in unterschiedlicher Stärke und Häufigkeit auf.

Es gibt außerdem verschiedene Formen: Migräne mit oder ohne Aura. Als Aura werde die Phase vor einer Attacke bezeichnet, erläutert Prof. Hans-Christoph Diener, Präsident der International Head­ache Society. Sie zeichnet sich durch Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen aus. Es gibt zudem menstruelle oder menstruell assoziierte Migräneattacken. Bei der menstruellen Migräne treten die Anfälle überwiegend in der Zeit der weiblichen Regel auf.

Für eine Attacke gibt es häufig bestimmte Auslöser, sogenannte Trigger-Faktoren. Änderungen des Hormonspiegels, Ernährung, Stress, unregelmäßiger Schlaf und das Wetter können laut Diener Faktoren sein. „Auch Alkohol oder Nahrungsmangel wie bei Diäten sind Trigger“, erklärt Reuter. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner: die Veränderung des normalen Lebensrhythmus.

Bei Frauen, die mit der Pille verhüten, ist eine hormonelle Schwankung der Auslöser für die menstruelle Migräne, erklärt der Endokrinologe Prof. Thomas Strowitzki von der Uni Heidelberg. Sie nehmen die Pille normalerweise drei Wochen ein und legen dann eine einwöchige Pause ein. Da die Pille aus den Hormonen Östrogen und Gestagen zusammengesetzt ist, sinkt in dieser Woche der Östrogen-Spiegel rapide ab. Die Frau ist quasi auf Entzug und bekommt dadurch Migräne.

Bei menstrueller Migräne kann der Verzicht auf die Pillenpause helfen, erläutert Strowitzki, der Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist. Wer die Pille durchnimmt, leidet nicht unter hormonellen Schwankungen und hat somit keine menstruelle Migräne.

Einigen wenigen Betroffenen reicht es schon, sich in einen abgedunkelten Raum zurückzuziehen und dort zu ruhen oder zu schlafen. Auch ein kühlender Lappen oder Eisbeutel erleichtern die Beschwerden, erläutert Diener. Bei leichten bis mittlerem Schmerzen empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) höher dosierte, rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure beziehungsweise Paracetamol oder Ibuprofen.

Bei schwereren Attacken werden oft Triptane verordnet. Sie blockieren die Ausschüttung der Botenstoffe im Gehirn. „Dadurch wird die Übertragung des Schmerzes von Nervenzelle zu Nervenzelle verhindert, und die geweiteten Blutgefäße werden wieder verengt“, erklärt Reuter. Bei der medikamentösen Behandlung ist wichtig, dass sie rechtzeitig erfolgt. Migräniker dürften nicht so lange warten, bis die maximale Stärke des Schmerzes erreicht ist.

Um einer Migräne vorzubeugen oder sie zu lindern, kann es helfen, die Auslöser zu vermeiden. Um diese kennenzulernen, sollten Betroffene ein Migräne-Tagebuch führen. Kernpunkt der Vorbeugung: den alltäglichen Stress in den Griff bekommen.

Für Patienten, die sich in ihrer Lebensqualität besonders stark beeinträchtigt fühlen, kann es sinnvoll sein, mit Medikamenten vorzubeugen. Dabei handelt es sich um eine längerfristige Behandlung, die in der Regel nicht sofort Wirkung zeigt. Genutzt werden unter anderem Betablocker und Substanzen gegen epileptische Anfälle. Bei beiden wurde nur durch Zufall entdeckt, dass sie bei Migräne helfen.

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