Der Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Die Erkrankung tritt bei einem von 300 Kindern auf, Häufigkeit zunehmend. Die Ursache ist eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems. Die körpereigene Abwehr greift Insulin-produzierende Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie. Die Erkrankung bricht plötzlich aus und trifft die Betroffenen meist völlig unerwartet. Patienten mit Typ-1-Diabetes müssen lebenslang Insulin spritzen. Kinder mit Typ-1-Diabetes kommen zu 90 Prozent aus Familien ohne einen bereits an Typ-1-Diabetes erkrankten Verwandten.

„Fr1dolin“ bedeutet: Früherkennung von Typ-1-Diabetes und familiärer Hypercholesterinämie in Niedersachsen (www.fr1dolin.de). „Fr1dolin“ ist eine Initiative, die allen Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren in Niedersachsen einen kostenlosen Test auf Typ-1 Diabetes und familiäre Hypercholesterinämie anbietet.

Hypercholesterinämie bedeutet, dass im Blut zu hohe Fettwerte (Cholesterin) enthalten sind, was zu einer Verkalkung der Blutgefäße und in der Folge zu frühem Herzinfarkt oder Schlaganfall führt. Diese Erkrankung bleibt im Kindesalter meist asymptomatisch, kann jedoch bereits aus wenigen Blutstropfen diagnostiziert und frühzeitig behandelt werden.

Der Früherkennungstest kann sicher und einfach beim Kinderarzt durchgeführt werden. Bisher wurden über 6000 Kinder untersucht. Die frühe Diagnosestellung des Typ-1- Diabetes hilft die sonst häufig am Beginn der Erkrankung stehende schwere, akute und lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) zu vermeiden. Inzwischen weiß man, dass eine schwere Ketoazidose zu langfristigen Funktionsbeeinträchtigungen der Gehirnfunktionen führen kann.

Seit Beginn dieses Jahres wird „Fr1dolin“ durch „Freder1k“ unterstützt, eine Studie zur Früherkennung von Typ-1- Diabetes bei Neugeborenen und Säuglingen bis zum Alter von vier Monaten. „Freder1k“ wird in Niedersachsen, Bayern und Sachsen sowie in anderen europäischen Regionen in Belgien, Polen, Schweden und Großbritannien durchgeführt.

Ziel von „Freder1k“ ist, Kinder mit einem Typ-1-Diabetes-Risiko möglichst frühzeitig zu identifizieren, um Komplikationen und möglicherweise auch den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern. Die Bestimmung des Typ-1-Diabetes-Risikos kann anhand weniger Blutstropfen schon in der Geburtsklinik oder beim Kinderarztbesuch in den ersten drei Lebensmonaten durchgeführt werden.

Werden Säuglinge mit einem deutlich erhöhten Typ-1-Diabetes-Risiko identifiziert, besteht die Möglichkeit, an einer Präventionsstudie teilzunehmen. Im Rahmen dieser Studie wird untersucht, ob die regelmäßige Gabe von Insulintropfen im Vergleich mit wirkstofffreien Placebotropfen das Risiko der Entstehung einer Diabetes-Erkrankung im Kindesalter verringern kann. Ergebnisse entsprechender Tierversuche sind erfolgversprechend. Beim Menschen wurden vergleichbare Ansätze im Rahmen der Allergieprävention bereits erfolgreich angewandt.