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nordwest-zeitung

Dysbiose – Störfall in der Darmflora

Dr. med. Thomas Suermann, Autor dieses Beitrags, ist Präven-tionsbeauftragter der Kassenärzt-lichen Vereinigung Niedersachsen.

Bei der Dysbiose ist das harmonische Zusammenwirken der verschiedenen Bakterien im Darm gestört mit der Folge, dass ihre vielfältigen Funktionen auch in Bezug auf den Wirt, also den Menschen, gestört sind. Dabei kommt es zur vermehrten Bildung von Gärungs- und Fäulnisprodukten, die zu Blähungen, auch Schmerzen, Verstopfung oder Durchfall führen können. Dies kann zu Symptomen führen, die häufig unter dem Begriff des Reizdarm-Syndroms zusammengefasst sind.

Im Darm befinden sich überwiegend „anaerobe Bakterien“, die sich in Gegenwart von Luft oder Sauerstoff nicht vermehren. Diese Bakterien im Stuhl nachzuweisen, ist äußerst schwierig und nicht immer exakt. Sinnvoll ist sicher der Nachweis sogenannter pathogener (krankmachender) Bakterien wie etwa Clostridiium difficile, die sich nach einer Antibiotika-Therapie vermehren können, weil die „nützlichen“ Bakterien geschädigt wurden.

Die pathogenen Keime breiten sich eher im alkalischen Stuhl aus, die „nützlichen“ eher im sauren. Es macht also Sinn, bei Verdacht auf eine Dysbiose den Stuhl-ph-Wert zu messen. Im Kindesalter liegt der Darm-ph mit etwa 4,5 noch ziemlich im sauren Bereich, wird mit zunehmendem Alter alkalischer bis zu Werten von 7,5 bis 8 im höheren Alter.

Mit reichlicher Flüssigkeitszufuhr (über 1,5 Liter) und ballaststoffreicher Nahrung (Kartoffeln, Obst, Gemüse, Salat, Getreidekleie) können wir den ph-Wert senken. Dagegen wird er mit leicht verwertbaren Eiweißquellen (Fleisch, Geflügel, Fisch, Milch und Milchprodukten) erhöht.

Womit wir schon bei der Ernährung sind. Bei Störungen der Darmflora werden heutzutage ganz bestimmte Nahrungsmittel eingesetzt, die Prebiotika (Präbiotika). Prebiotika sind Kohlenhydrate, die unverdaut und somit unverändert in den Dickdarm gelangen und von den „nützlichen“ Bakterien verarbeitet werden. Dadurch wird das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder mehrerer Bakterienarten im Dickdarm gezielt gefördert. Durch Darmbakterien fermentiert, senken die Prebiotika den ph-Wert im Dickdarm und schaffen eine unwirtliche Umgebung für pathogene Keime. Außerdem wird die Mucin-Produktion (Schleim) stimuliert, indem sie kurzkettige Fettsäuren wie Buttersäure bilden.

Mucine spielen eine Rolle für die Barrierefunktion der Schleimhäute, außerdem werden die immunologischen Abwehrkräfte des Darms, aber auch die des Menschen insgesamt gefördert.

Neben den Prebiotika haben die Probiotika in der Behandlung von Verdauungsstörungen an Bedeutung gewonnen. Bei den Probiotika handelt es sich um ganz bestimmte Mikroorganismen (Bakterien), die in ausreichender Menge in aktiver Form in den Dickdarm gelangen und hier positive gesundheitliche Wirkungen erzielen. Voraussetzungen für „probiotische“ Wirkungen sind tägliche Einnahmen in ausreichender Menge (10 hoch 8 bis 10 hoch 9). Die Wirkung ist jedoch in vielen Fällen umstritten. Die am längsten als Probiotika angewendeten Organismen sind Milchsäurebakterien, aber auch Hefen und andere Spezies sind in Gebrauch.

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