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PSYCHOLOGIE: Ein plüschiger Kamerad in der Not

05.03.2005

HAMBURG Wissenschaftler sehen einen Trend zur Verkindlichung in der Gesellschaft. Stofftiere verkörpern positive Gefühle.

Von Nicole Jankowski HAMBURG - Früher kauften Erwachsene Stofftiere aus zwei Gründen: Sie wollten sie sammeln oder an ihre Kinder verschenken. Doch mittlerweile sitzt der Teddybär weder auf dem Kinderbett noch in der staubsicheren Glasvitrine, sondern kuschelt sich selbstbewusst in die Sofaecke. Trendbewusste Frauen hängen den Teddy und seine Verwandten auch gerne im Miniaturformat an ihre Designer-Taschen, so wie es unlängst bei den großen Modeschauen in Paris zu sehen war.

Ihr Kuschelbär ist vielen Erwachsenen nicht mehr peinlich – und die Nachfrage nach originellen Stofftieren wächst. „Gefühle zu zeigen, das ist wieder okay“, sagt Birgit Gebhardt vom Trendbüro in Hamburg. Kuscheltiere leisten Seelenbeistand oder bieten Amüsement. „Sie sind wie kleine Fluchten aus einem Alltag, der uns oft überfordert“, so die Expertin. Viele Menschen fühlten sich durch die Stofftiere auch an ihre glückliche Kindheit erinnert.

Die kleinen Teddys an den Taschen seiner Studierenden sieht der Soziologe Reimer Gronemeyer aus Gießen daher als symbolische Weigerung, erwachsen zu werden. „Für diese ,Rolle rückwärts‘ gibt es ja auch gute Gründe“, sagt der Soziologe. Ökonomische einerseits, gesellschaftliche andererseits: Die Abfolge der Lebensstufen sei nicht mehr klar abgegrenzt, Biografien nicht so vorgezeichnet wie früher. „Wir müssen heute sehr lange nicht erwachsen werden, wenn wir nicht wollen“, erklärt Gronemeyer den Trend zur Verkindlichung in der Gesellschaft.

Das Bedürfnis nach Geborgenheit sei in einer immer komplizierter werdenden Welt im Wert gestiegen, weiß Martin Kittsteiner, Kommunikationsdesigner aus Hamburg. „Das Stofftier dient vielen als Ersatz für die Sicherheit und Liebe, nach der wir uns heute sehnen“, sagt Birgit Gebhardt. Es verkörpere die positiven Gefühle, die man schon als Kind mit dem Gefährten verbunden hat.

„Erwachsene wählen Stofftiere oft mit einem ironischen Augenzwinkern aus“, sagt die Trendforscherin. Es sind Wesen, die die braven Teddybären der Kindheit ein wenig auf die Schippe nehmen. „Bei der Entwicklung im Plüschbereich denken wir daran, auch witzige Figuren zu entwerfen, über die Erwachsene lachen können“, sagt Volker Schmid, Geschäftsführer des Verbandes der Spielwarenindustrie.

Beliebt sind auch Plüschtiere, die mit ihrer Unperfektheit spielen. Sie sind absichtlich verhunzt, sehen Mitleid erregend aus und rühren das Herz an. „Diese Tiere haben etwas von einem selbst“, sagt Gebhardt. Die Leute wollten lieber ein Unikat statt eines Massenproduktes. „Das kann das selbst gemachte Etwas mit einem Auge sein.“ Bestes Beispiel für diesen Trend sind die aus den Vereinigten Staaten importierten „ugly dolls“. Mal haben die „hässlichen Puppen“ drei Augen, mal nur eines. Ihre Füße sind zu kurz, die Arme zu lang: Mit einem normalen Stofftier haben sie optisch nicht viel zu tun.

Entstanden sind die vom Künstlerpaar David Horvath und Sun-Min Kim entwickelten Figuren als Liebesgabe. Horvath zeichnete auf die Liebesbriefe an seine Freundin stets ein kleines oranges, schräges Wesen namens „Wage“. Irgendwann nähte Sun-Min Kim die Figur aus weichem Fleece als Weihnachtsgeschenk nach. „Wage“ gefiel nicht nur David Horvath – inzwischen hat die Figur acht Freunde dazu bekommen und wird weltweit verkauft.

Auch wenn sie ganz anders aussehen, haben die hässlichen Puppen mit herkömmlichen Kuscheltieren eines gemeinsam: Sie zu berühren ist angenehm. „Die heißen ja nicht umsonst Kuschel-Tier“, sagt Gebhardt. Deswegen landen einige Erwachsene mit ihrem Teddy sogar im Bett.

Das Stofftier als Einschlafhilfe ist in der Schlafforschung bislang allerdings nicht erkundet. Barbara Knab, Psychologin und Wissenschaftsjournalistin aus München, erklärt, warum die Methode Erwachsenen aber helfen kann: „Alles, was man vor dem Einschlafen regelmäßig tut, kann den Schlaf fördern, wenn es ruhig ist.“ Dazu könne auch gehören, ein Kuscheltier im Arm zu halten. Nur schlecht fühlen dürfe man sich dabei nicht. „Wer damit besser einschlafen kann, sollte nicht allzu sehr darüber nachdenken, sondern es selbst akzeptieren. Das ist dann schon in Ordnung“, sagt Barbara Knab.

Mehr Infos unter:

www.toy.de

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