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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Wellness & Fitness

Großer Zeh in schmerzhafter Schieflage

12.08.2017

Essen /Hildesheim Zu eng, zu spitz, zu hoch – alles Merkmale, die auf Stöckelschuhe zutreffen. Doch obgleich sie oft unbequem zu tragen sind, wollen viele Frauen nicht darauf verzichten. Manche bezahlen dafür einen hohen Preis. Mit der Ferse hoch oben werden die Füße nämlich völlig unnatürlich gelagert und häufig auch noch eingequetscht. So kann es passieren, dass die große Zehe (Hallux) in eine Schräglage gerät. Ärzte sprechen von einem Ballenzeh, in der Fachsprache heißt das Hallux valgus. Bei Männern kommt die Fußfehlstellung ebenfalls vor.

Beim Hallux valgus sind das Knochengewebe und Weichteile wie Sehnen und Muskeln am Mittelfuß verformt. Dadurch wird das Großzehengrundgelenk verschoben. „Am Fußinnenrand unterhalb des großen Zehs zeigt sich eine knöcherne Wölbung“, beschreibt der Orthopäde Ramin Nazemi aus Essen. Sie drückt unangenehm gegen den Schuh, was zu Rötungen und Schwellungen führen kann. Unbehandelt werden die Schmerzen im Laufe der Jahre immer heftiger.

Bei der Entstehung des Hallus valgus spielen meist mehrere Faktoren eine Rolle. „In 60 bis 70 Prozent aller Fälle haben die Betroffenen eine familiär bedingte Veranlagung dazu“, erklärt Nazemi. Kommt dann noch die Neigung zu einem schlafferen Bindegewebe hinzu – und Stöckelschuhe –, sind Verformungen an den Füßen wahrscheinlich.

Wer bemerkt, dass sich ein Fuß verändert, sollte mit dem Besuch beim Arzt oder Podologen nicht lange warten. Denn unbehandelt beeinträchtigt ein Hallux valgus nicht nur die Füße. „Durch den veränderten Gang aufgrund der Fehlstellung kann es zu Schmerzen an den Knien und am Rücken kommen“, warnt die Podologin Tatjana Pfersich. Ein beginnender Hallux valgus ist daran zu erkennen, dass sich die große Zehe den mittleren Zehen annähert. Außerdem entsteht an der Fußinnenseite eine Wölbung.

„Im Anfangsstadium eines Hallux valgus können Zehenspreizer sowie ein gezieltes Fußmuskeltraining Beschwerden lindern“, sagt die Orthopädin Mellany Galla. Sie ist Vorsitzende der Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (GFFC). Zehenspreizer sind weiche Polster aus Gel oder Silikon, die zwischen die große Zehe und benachbarte Zehen gesteckt werden. So wird die Zehe aus der Valgus- in die Normalposition gebracht. Entlastung kann auch eine Bandage bringen, die um die große Zehe, vorbei an der Fußinnenseite mit der Wölbung bis hin zur Ferse gewickelt wird. Die Bandage kann in breiten und flachen Schuhen getragen werden.

Auch spezielle Schienen, die an den Füßen angebracht werden, tragen dazu bei, die große Zehe wieder in ihre natürliche Position zu bringen. „Orthopädische Einlagen helfen dagegen bei Hallux valgus überhaupt nicht“, sagt Nazemi. Auch er setzt auf ein gezieltes Fußmuskeltraining. Die Übungen sind einfach und können auch zwischendurch immer mal wieder praktiziert werden. Beispielsweise hebt man mit den Zehen am Boden liegende Stifte auf. Auch Zehenspreizen hilft. Oder im Stehen die Fersen anheben und beim Absetzen den Vorfuß nach oben ziehen.

Erst wenn Hilfsmittel wie Zehenspreizer, Bandagen und Schienen sowie Fußgymnastik keine Linderung bringen, können Patienten eine Operation in Erwägung ziehen. „Die OP-Verfahren sind unterschiedlich und richten sich nach dem Grad der Fehlstellung“, sagt Galla. Prinzipiell handelt es sich bei dem Eingriff um eine Korrektur am Knochen und an Weichteilen. Ob die OP ambulant oder stationär erfolgt, hängt vom Einzelfall ab. „Wichtig ist, dass nach dem Eingriff ein Verbandsschuh sechs bis acht Wochen lang konsequent getragen wird, damit der korrigierte Knochen nicht bricht“, betont Nazemi.

Wer vorbeugend etwas gegen einen Ballenzeh (Hallux valgus) tun möchte, sollte möglichst viel barfuß laufen – zu Hause, am Strand oder auf sogenannten Barfußpfaden. Auch regelmäßige Fußgymnastik hilft, die Füße fit zu halten.

Im Alltag trägt man am besten flache Schuhe, die ausreichend Platz für die Füße bieten. Auf Stöckelschuhe müssen Frauen aber nicht grundsätzlich verzichten, beruhigt Facharzt Ramin Nazemi. Aus seiner Sicht spricht nichts dagegen, wenn sie kurzzeitig – etwa zu einem feierlichen Anlass – getragen werden.

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