LANDAU/WIESBADEN - Die Produkte sind im Winterhalbjahr eine Alternative zu den Solarien. Ein paar Hinweise sollte man jedoch beachten.
Von Britta Schmeis
LANDAU/WIESBADEN - Bei den ersten Sonnenstrahlen kommen sie ans Licht: winterlich blasse Arme und Beine. Das Gesicht erinnert ohnehin schon an ein weißes Bettlaken, gleiches gilt für das Dekolletée. Die wenigen Sonnenstrahlen, die man nach Feierabend und am Wochenende abbekommt, können da nur wenig Abhilfe schaffen. Dazu kommt die Angst vor schädlichen UV-Strahlen. Der Gang in ein Sonnenstudio verbietet sich daher für viele von selbst. Kein Wunder also, dass ein fast vergessenes Kosmetikprodukt einen wahren Boom erlebt – der Selbstbräuner.„Diese bräunenden Produkte sind eine unbedenkliche Alternative zu den Solarien“, sagt der Hautarzt Klaus Fritz vom Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) in Landau (Rheinland-Pfalz). Denn die verschiedenen Cremes und Pasten dringen lediglich in die oberste Hautschicht – die Hornschicht - ein. Der zuckerähnliche Inhaltsstoff der Selbstbräuner, Dihydroxyaceton (DHA), verbindet sich mit der hauteigenen Aminosäure. Dadurch wird die Bildung von orangegelben Pigmenten angeregt – und das innerhalb von nur wenigen Stunden.
„Die Haut ist wohl gebräunt, ohne dass auch nur ein einziger Sonnenstrahl an sie gedrungen ist“, erklärt Antje Brüne vom Verband der Vertriebsfirmen Kosmetischer Erzeugnisse (VKE) in Wiesbaden. Dennoch gibt es einige Grundregeln zu beachten. „Wichtig ist es, die Haut vorher zu reinigen und zu peelen“, rät die Kosmetikerin Renate Donath aus Hamburg. Denn kleine, fast unsichtbare Hautschuppen werden schneller braun. Unschöne Flecken sind die Folgen.
Auch an Knien, Ellenbogen und Knöcheln ist die gleichmäßige und dünne Verteilung der Produkte für ein makelloses Ergebnis unbedingt erforderlich. „Diese Hautpartien sind meist ein wenig rauh, so dass dort die Bräune intensiver wird“, erklärt Renathe Donath. Ein Muss bei dem Gebrauch von Selbstbräunern ist zudem das gründliche Händewaschen nach der Anwendung. „Die Handinnenflächen verfärben sich aufgrund der Hornschichten extrem schnell“, warnt Brüne.
Für unbedenklich hält der Dermatologe Fritz alle gängigen Produkte auf dem deutschen Markt. „Egal welches Preissegment, die Kosmetikhersteller haben mittlerweile riesige Forschungslabors, in denen sie ihre Produkte testen“, sagt er. Eine Gesundheitsgefahr sei daher mit aller Wahrscheinlichkeit auszuschließen. „Vor dem Gebrauch zum Hautarzt zu gehen, ist da wohl nur in Ausnahmen notwendig“, so Fritz. Und Kosmetikerin Donath ist überzeugt, dass Menschen mit Allergien und Ekzemen ohnehin nicht auf die Idee kämen, zum Selbstbräuner zu greifen.
So gilt es bei der Suche nach dem geeigneten Produkt, die eigenen Vorlieben zu beachten. „Der Markt bietet mittlerweile eine ganze Reihe von Selbstbräunern in allen möglichen Ausführungen“, sagt VKE-Sprecherin Brüne. Einzig vor ausländischen No-name-Produkten warnt Dermatologe Fritz.
Für Gesicht und Dekolletée empfehlen die Experten eine leicht zu verteilende Emulsion – egal ob als Creme, Lotion, Gel oder Schaum.
Augenbrauen und Haaransatz sollten dabei jedoch stets ausgespart werden. Speziell für den Körper haben zahlreiche Kosmetikhersteller Sprays entwickelt. Sie sollen das Auftragen auch an schwer erreichbaren Stellen – etwa an den Beinrückseiten – erleichtern. Doch Kosmetikerin Donath ist skeptisch: „Bei vielen Sprays muss man die Lotionen oft trotzdem noch mit der Hand verreiben.“ Zur Auswahl stehen außerdem Selbstbräuner mit unterschiedlichen zusätzlichen Wirkstoffen. „Einige Produkte sind feuchtigkeitsspendend und enthalten pflegende Öle“, sagt Klaus Fritz. Zudem bieten einige unterschiedlich starke Sonnenschutzfaktoren. Auch verschiedene Farbtöne sind erhältlich.
„Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Produkte an einer unauffälligen Körperstelle zunächst zu testen“, rät Renate Donath. Böse Überraschungen könnten dadurch vermieden werden. Wenn trotzdem einmal etwas schief geht, ist ausschließlich Ausdauer gefragt. „Die Hauterneuerung ist ein dynamischer Prozess“, sagt der Kosmetikchemiker Reinhold Brunke aus Düsseldorf. Nach spätestens vier Wochen hat sich die oberste Schicht abgeschuppt – und Arme und Beine sind wieder so blass wie zuvor.
