Mit hängenden Schultern sitzt die Frau vor mir. Wir haben schon oft über das Thema gesprochen. Es war zu einem Streit mit ihrer Schwester gekommen und dann zum Bruch der beiden. Wenige Wochen später ist die Schwester überraschend verstorben. Einen Kontakt hatte es zwischen dem Bruch und dem Tod der einen nicht mehr gegeben.

Genau das kann meine Patientin sich nicht verzeihen. Sie ist jemand, der aufrecht durchs Leben geht und sich viele Gedanken über ein adäquates Verhalten sich selber und anderen gegenüber macht. Kein einfacher Mensch, aber ein integerer. Sie wirft sich vor, an dem Streit und dem folgenden Bruch Schuld zu sein. Ein Fehler, den sie nicht mehr gut machen kann. Der sie tagtäglich verfolgt. Der immer wieder in ihren Gedanken ist.

Wir Menschen machen Fehler. Leichte und schwere. Manchmal handeln wir in einer Weise, die uns danach nicht mehr verständlich ist. Hin und wieder wollen wir durch die Wand. Dinge erzwingen, obwohl unser Bauchgefühl uns längst signalisiert, dass wir falsch handeln. Fehler gehören zum Leben dazu. Sie sind sogar wichtig. Weil wir aus ihnen lernen können und uns durch sie weiter entwickeln.

Leider sind manche Fehler fatal. Nicht zu korrigieren. Aber wir haben die Chance, unser Tun hinter uns zu lassen. Ob wir an Dingen, die wir bereuen, zerbrechen oder nicht, hängt von uns selbst ab. Von unseren Gedanken. Gedanken werden zur Gewohnheit.

Wer jeden Tag die gleichen schlechten Gedanken hat, wird es schwer haben, seinen Geist an andere zu gewöhnen. Dennoch können wir unsere Gedanken beeinflussen.

Egal, wie die Gedankenwelt ist, in der Sie leben: Werden Sie sich bewusst, dass Sie Ihre eigene Geisteswelt erschaffen und pflegen. Wenn Ihnen die Welt Ihrer Gedanken nicht gefällt, dann denken und bauen Sie sich eine andere. Sie können Ihre Aufgabe als Mutter, Vater, Arbeitnehmerin oder Schüler noch so bemüht und gut machen. Ob Sie mit sich einverstanden sind, entscheiden Sie letztlich selbst. Durch Ihre Gedanken.

Machen Sie sich ein Bild von sich, an dem Sie Freude haben: aufrecht, lächelnd, Kleidung tragend, in der Sie sich mögen. Aber Achtung: Wenn Sie das nicht gewöhnt sind, wird Ihr Geist sich wehren. Er wird die gewohnten Gedanken zurückzwingen. Jedes Mal, wenn Sie sich bewusst werden, dass Ihr Geist zu Groll, Ärger oder Frust zurückkehrt, dann steuern Sie Ihn. Dorthin, wohin Sie ihn haben wollen.

Beginnen Sie mit kurzen Übungseinheiten. Zum Beispiel jeden Morgen nach dem Aufstehen. Holen Sie sich Ihr gewünschtes Bild in Ihren Geist. Sie können sich auch angewöhnen, jedem Tag ein (kurzes) Motto zu geben, an das Sie immer wieder denken. Zum Beispiel: Ausdauer. Aufmerksamkeit. Beherrschung von Launen.

Eventuell ist es sinnvoll, Ihren Fortschritt in der Beherrschung Ihres Geistes und Ihrer Gedanken jeden Tag schriftlich festzuhalten. Ostern kann man auch als Fest der Erneuerung interpretieren. Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür.