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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Wellness & Fitness

Motivationshelfer für Sportmuffel

21.06.2014

Berlin Die Sportwissenschaftlerin Katrin Kutzner testet das Fitnessarmband Polar Loop für ihre 69-jährige Mutter. Die Mutter habe Probleme mit dem Gewicht, sei gesundheitlich vorbelastet und „ein echter Couch-Potato“, sagt Kutzner, die in Berlin ein Fitnessstudio betreibt. Sie habe viel über die neuen Armbänder gelesen und hoffe nun, dass das Band ihre Mutter zu mehr Bewegung im Alltag motiviert.

Und genau das versprechen die trendigen Kunststoff-Armbänder. Im Kern sind sie Bewegungskontrollgeräte: Sie zählen Schritte und zeichnen die körperliche Aktivität auf. Wenn sich der Träger zu lange nicht bewegt, etwa weil er am Schreibtisch sitzt, schlägt das Armband Alarm. Manche machen dann auch Vorschläge: etwa dass man nun eine Stunde Handballspielen oder 28 Minuten Seilhüpfen könnte.

Die Armbänder, auch Fitnesstracker genannt, gibt es inzwischen von zahlreichen Firmen wie Jawbone, Garmin, Fitbit, Sony und Nike. Sie kosten rund 100 Euro, manche etwas mehr. Die Daten werden mit Hilfe einer App auf dem Smartphone ausgewertet und visualisiert, können aber auch auf den PC übertragen werden.

Neben der Schritt- und Aktivitätsmessung zählen manche Bänder auch Kalorien, verbinden sich mit einer digitalen Waage oder analysieren den Schlafrhythmus des Trägers. Und sie geben dem Träger eine Zielvorgabe – beispielsweise „10 000 Schritte gehen“ –, die er am Tag erreichen soll, um fit und gesundzubleiben.

Grundsätzlich seien die Fitnessarmbänder als Motivationshilfe für jeden geeignet, sagt Thomas Niewöhner von der Deutschen Fitnesslehrer Vereinigung in Baunatal. Vor allem für Nicht-Sportler und Breitensportler sei es interessant, anhand der Aufzeichnungen zu sehen, wie viel oder wie wenig sie sich bewegen. Für aktive Sportler sei das weniger relevant.

Die Bänder trügen einer Tendenz zur Dokumentation und dem Wunsch nach Feedback Rechnung, ergänzt der Sportmediziner Thorsten Dolla. Wer es nicht von sich aus schafft, ins Fitnessstudio zu gehen oder sich mit Freunden zum Sport zu verabreden, bekomme eine Hilfestellung. Dass das Band kontrolliert und dokumentiert, wie aktiv sein Träger ist, könne eine Motivation für mehr Bewegung sein und auch den Spaß daran erhöhen. „Gesundheit aus der Steckdose“ gebe es aber nicht, betont der in Berlin praktizierende Arzt. Das Fitnessarmband sei kein Trainingsgerät, nur eine Motivationshilfe.

Auch Hannah Ritter, Gesundheitswissenschaftlerin und Bloggerin aus Hamburg, hat ein Fitnessarmband getestet und trägt es seither fast ständig. Da sie oft lange am Schreibtisch sitzt, sei für sie vor allem der Inaktivitätsmodus des Bandes wichtig.

Wenn sie sich eine Stunde lang nicht bewegt hat, leuchtet an ihrem Armband ein roter Balken auf, der sie unmissverständlich auffordert, in Schwung zu kommen. „Und das funktioniert“, sagt Ritter. Sie bewege sich mehr, weil sie den roten Balken wieder weghaben und ihr Tagesziel erreichen wolle. Ritter legt das Band nur ab, wenn sie sich schick anzieht.

Kutzner wird das Band nach der Testphase an ihre Mutter weiterreichen. Sie überlege auch, in ihrem Fitnessstudio Bänder zur Ausleihe anzubieten. Studiobesucher, die sich nur unregelmäßig zum Sport aufraffen könnten, bekämen durch die Bänder möglicherweise mehr Antrieb.

Wer lange Zeit keinen Sport gemacht hat, sollte sich von einem Fitnessarmband nicht gleich zu Höchstleistungen antreiben lassen. Es sei sinnvoll, sich ärztlich durchchecken zu lassen, bevor man mit neuen sportlichen Aktivitäten starte, empfiehlt der Sportmediziner Thorsten Dolla.

Auch die Krankenkassen interessieren sich für die elektronischen Motivationshelfer. Die private Central Krankenversicherung zum Beispiel stellt Diabetes-Patienten einen Fitnesstracker in Kombination mit einem elektronischen Blutzuckermessgerät zur Verfügung. Bewegung wirkt sich bei Typ-2-Diabetes positiv aus, das macht das Band bei der Auswertung der Daten umgehend sichtbar.

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