MüNCHEN - Ein Scharnier nutzt sich bei häufiger Benutzung ab. Ähnlich verhält es sich mit den Gelenken des menschlichen Körpers. Plötzlich wird das Knie steif und Sporttreiben fällt schwer. Der Gelenkverschleiß ist zwar ein natürlicher Prozess, dem aber vorgebeugt werden kann.

„Wenn wir von Verschleiß sprechen, meinen wir in erster Linie die Gelenke“, erklärt Prof. Andreas B. Imhoff, Vorstand der Abteilung für Sportorthopädie an der Technischen Universität München. In zweiter Linie könnten auch Bänder und Sehnen verschleißen. Muskeln seien hingegen nicht so sehr betroffen.

Erforderlicher Reiz

Verschleißerscheinungen seien deshalb so häufig, weil die Menschen einerseits immer älter werden und andererseits immer aktiver bleiben, ergänzt Roman Feil, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Handchirurgie am Marienkrankenhaus Hamburg.

Grundsätzlich brauche jedes Gelenk einen mechanischen Reiz, also eine gewisse Belastung, um nicht zu degenerieren, erklärt Prof. Gert-Peter Brüggemann vom Institut für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Das Problem ist: Viele Gelenke werden im Alltag nicht ausreichend gereizt. Um Verschleiß zu vermeiden, sollten Sportler ihr Training aber langsam beginnen und nach und nach steigern.

Bewegung ist wichtig

Es sei wichtig, die Gelenke zu bewegen, aber nicht zu überbelasten, sagt Feil. Dafür eigneten sich Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walking am besten.

Spitzenbelastungen entstünden hingegen bei Rückschlagsportarten wie Tennis oder Badminton. Hier wirke oft ein Vielfaches des eigenen Körpergewichts auf jedem Schritt. Besonders häufig trete Gelenkverschleiß auch bei Ballsportarten wie Fußball auf, sagt Brüggemann.

Warnhinweise seien leichte Schmerzen in den Gelenken, ergänzt Imhoff. Der kritische Punkt sei dann allerdings schon überschritten. Erste Anzeichen seien steife Gelenke und Anlaufschmerzen, später dann anhaltende Beschwerden bei der Bewegung, sagt Brüggemann.

Spätestens dann sollte das Sportpensum eingeschränkt werden.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Hobbysportler vorbeugen. Die beste Prävention ist eine stabile Muskulatur, erklärt Brüggemann. Denn die Muskeln fungieren als Bremser, Lenker und Dämpfer der Gelenke. Deshalb sei ein mäßiges Krafttraining der beanspruchten Körperteile auf jeden Fall empfehlenswert.

Dabei sollten immer Muskel und Gegenmuskel trainiert werden – zum Beispiel Strecker und Beuger im Oberschenkel. Das gleiche gelte für das Schultergelenk oder den Ellenbogen beim Tennis.

sollten durch ausreichendes Dehnen vor und nach dem Sport darauf achten, dass der Muskel sich nicht verkürzt, empfiehlt Gert-Peter Brüggemann von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Denn dann reduziere sich seine Bremswirkung auf das Gelenk.

schon weit fortgeschritten, sollte auf weiteres Training verzichtet werden. Oft helfe es, im Alter auf Sportarten umzusteigen, die weniger belasten – zum Beispiel von Jogging auf Walking oder vom Tennis zum Golfen, sagt Andreas Imhoff von der Technischen Universität München. „Im Endeffekt sollten sich Sportler bewusst machen: Der Knorpelschaden geht nicht mehr weg.“ Oft heißt es deshalb einfach: kürzer treten.