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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Wellness & Fitness

BACH-BLÜTEN: Pflanzenkraft fördert das Wohlbefinden

08.11.2008

HAMBURG /ROSTOCK Mit einigen Tropfen Blütenessenz das innere Gleichgewicht wieder herstellen und so auch körperliche Beschwerden lindern: Anhänger der Bach-Blütentherapie sind überzeugt, dass das geht. Denn Krankheiten seien lediglich Folgen seelischer Unstimmigkeiten, die schon lange vor den körperlichen Anzeichen da sind, sagt Mechthild Scheffer, Gründerin und Leiterin des Instituts für Bach-Blütentherapie in Hamburg.

„Die Bach-Blütentherapie zielt daher nicht auf die Körperebene, sondern darauf, unharmonische seelische Zustände wieder in Harmonie zu bringen.“ Begründet hat die Methode der britische Mediziner Edward Bach (1886–1936). Er machte 38 Bäume, Büsche und Blumen ausfindig, in denen er bestimmte Charaktereigenschaften erkannt haben wollte. So steht zum Beispiel der Stechginster für Hoffnung und Zuversicht, seine Essenz soll gegen Resignation wirken. Die Heckenrose wird bei apathischen Zuständen verwendet, sie steht für Lebenslust und Gestaltungsfreude.

Noch heute werden die Blüten wild wachsender Pflanzen an den von Bach benannten Orten gesammelt. „Sie dürfen nicht angepflanzt worden sein, weil sie sonst nicht die gewünschte Energie haben“, betont Scheffer. Daher sind die Bach-Blütentherapeuten nach wie vor auf Importe aus Großbritannien angewiesen, wo die Tinkturen der Expertin zufolge wie früher nach zwei Methoden hergestellt werden.

Das ist einerseits das Auskochen der Pflanzen, andererseits das Sonnenbestrahlen. Dazu werden Blüten in Quellwasser gelegt, in der Annahme, dass ihre Essenz durch das Sonnenlicht auf das Wasser übergeht. Haltbar gemacht werden die Tinkturen mit Alkohol und vor der Anwendung mehrfach verdünnt.

Kritiker beurteilen die Herstellung der Essenzen allerdings skeptisch. „Es gibt keine einsehbaren Vorschriften, wie sie extrahiert werden“, sagt Prof. Thomas Beck, Leiter der Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker (AMK) in Eschborn bei Frankfurt/Main. Zwar stuften manche Arzneimittelbehörden der Bundesländer die in Apotheken erhältlichen Tinkturen als Arzneien ein. Aber eine generelle Zulassung als Arzneimittel hätten sie nicht. „Dafür muss man die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit belegen.“ Einen entsprechenden wissenschaftlichen Beleg gebe es bislang nicht.

Das bestätigt zwar auch Prof. Karin Kraft von der Arbeitsgemeinschaft Naturheilverfahren im Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) in Wiesbaden. Sie will die Bach-Blüten aber nicht grundsätzlich verdammen. „Wir sollten uns lieber Gedanken machen, warum solche Therapien Anklang finden“, sagt sie. Es gebe Patienten, die davon profitiert haben, daher sollte man sich auch das Verfahren genauer anschauen. Die Professorin für Naturheilkunde an der Uniklinik Rostock plädiert dafür, den psychologischen Wirkmechanismus zu untersuchen. Das fehle bislang. Anwendung finden die Essenzen Scheffer zufolge in drei Bereichen.

Zum einen dienten sie der seelischen Selbsthilfe, etwa bei mangelndem Selbstwertgefühl. Auch in Ergänzung zu Gesprächtherapien bei schwereren psychischen Problemen wie bei lange bestehenden Vater-Konflikten sei die Bach-Blütentherapie sinnvoll. „Eingesetzt wird sie außerdem bei chronischen Krankheiten, die nicht ausheilen wollen.“ Betroffene etwa mit Asthma oder Neurodermitis hätten schon oft kurz nach der ersten Einnahme neue Zuversicht gefasst, sagt Scheffer.

Auch das sieht AMK-Leiter Beck kritisch: „Es handelt sich um eine dogmatische Arzneitherapie: Man muss dran glauben.“ Er spricht von einem psychisch bedingten Placebo-Effekt.

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