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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit Wellness & Fitness

Schnuller nur zum Einschlafen

01.09.2018

Tagtäglich begegnen uns Säuglinge und Kleinkinder mit einem Schnuller im Mund, egal ob sie schlafen oder wach sind. Nuckeln und Saugen sind angeborene Verhaltensweisen. Schon ab dem fünften Schwangerschaftsmonat sieht man im Ultraschall Kinder an ihrem Daumen lutschen. Bereits Minuten nach der Geburt saugen Neugeborene kräftig an der Brust, wenn sie zum ersten Stillen angelegt werden. Die meisten Säuglinge und Kleinkinder haben über die Nahrungsaufnahme hinaus ein ausgeprägtes Saugbedürfnis. Der Saugreflex baut Spannungen ab und hat eine beruhigende Wirkung.

Die ältesten bekannten Vorläufer des Schnullers stammen aus Ägypten und sind 4500 Jahre alt. Seitdem haben sich die Form und die verwendeten Materialien verändert. Schnuller bestehen heute aus bräunlichem Latex oder durchsichtigem Silikon und haben ein Schild, damit der Schnuller nicht verschluckt werden kann. Der Sauger muss der Größe des Mundes angepasst sein, im Zweifel ist der kleinere Schnuller zu wählen.

Schnuller sollten erst eingeführt werden, wenn das Stillen sicher funktioniert, also erst mit Beginn des zweiten Lebensmonats. Legen Eltern das Kind zum Schlafen hin, können sie ihm einen Schnuller geben, fällt er heraus, wird er nicht in den Mund zurückgesteckt! Der Schnuller sollte eher selten und möglichst kurz gegeben werden. Das Saugbedürfnis ist häufig schon nach wenigen Minuten gestillt. Hat ein Kind Hunger, soll es etwas zu trinken, aber keinen Schnuller bekommen.

Mit Beginn des Zahndurchbruchs im zweiten Lebenshalbjahr wandelt sich der Saugreflex zunehmend in die Kautechnik um. Das Kind lernt vom Löffel zu essen, zu beißen, zu greifen und zu sprechen. Dies ist ein guter Zeitpunkt, den Schnuller abzugewöhnen. Er sollte etwa ab dem achten Monat durch einen Beißring, ein beißfestes Schmusetier oder ein Schmusetuch ersetzt werden. Experten empfehlen eine Entwöhnung spätestens im zweiten bis dritten Lebensjahr.

Bei zu spätem Abgewöhnen des Schnullers können sich ab dem zweiten Lebensjahr Verformungen des Kiefers und Gaumens entwickeln mit offenem Biss, Kiefer- und Zahnfehlstellungen und Sprechfehlern wie Lispeln. Die Abgewöhnung funktioniert nur, wenn sich die Eltern konsequent verhalten und den Schnuller nicht als Beruhigungsgerät für ihr Kind missbrauchen. Hilfreich zum Abgewöhnen können eine Schnuller-Abschiedsfeier oder die Schnuller-Fee sein. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es.

Auch aus entwicklungspsychologischer Sicht ist ein überlanger Schnullergebrauch zu vermeiden. Schnuller können ein Kind in einer jüngeren Entwicklungsphase festhalten und seine Weiterentwicklung blockieren. Der Babymund dient vor allem der Begegnung mit der Welt. Der übermäßige Gebrauch eines Schnullers kann zwar beruhigen, vermindert aber die Wachsamkeit und die spielerische Erforschung der Welt. Der Stöpsel im Mund bremst den Dialog mit der Umgebung. Möglicherweise wirkt sich Dauerschnullern negativ auf die spätere Intelligenz aus. Den Schnuller also nur zum Einschlafen geben!

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