Lindlar/Werne - Je jünger der Mensch, desto besser reguliert sein Körper von selbst die Temperatur. Schwitzen kühle die Haut und funktioniere wie eine angeborene „Mini-Klimaanlage“, sagt Thomas Aßmann vom Deutschen Hausärzteverband. Bei großer Hitze sei Schwitzen daher das A und O. „Ältere müssen besonders viel trinken, damit sie schwitzen können“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin aus Lindlar bei Köln.
Vermeintliche Geheimtipps wie Stützstrümpfe hält er dagegen für keine gute Idee. Sie seien zwar dafür da, dass das Blut nicht in die Beine absackt – für Menschen mit schwachem Kreislauf gerade bei Hitze grundsätzlich ein positiver Effekt. Allerdings stauten die engen Strümpfe die Wärme, warnt der Arzt. „Deshalb besser einfach mal die Beine hochlegen.“
Beine hochlegen ist auch im übertragenen Sinn ein wertvoller Tipp. Denn übertrieben aktiv sollten ältere Menschen bei großer Hitze nicht sein. Die Muskelarbeit produziere zusätzlich Wärme. Aßmann empfiehlt an sehr warmen Sommertagen eine Siesta von 12 bis 16 Uhr.
Für Herz- und Kreislauf-Erkrankte seien kalte Umschläge im Nacken besser als eine eiskalte Dusche zwischendurch. Hilfreich sei es auch, kaltes Wasser über die Beine laufen zu lassen. „Beides geht schneller und ist nicht ganz so schockig“, verrät der Mediziner.
Schweiß schmeckt salzig – ein Zeichen dafür, dass der Körper bei Hitze nicht nur Wasser, sondern auch Salz verliert. Das sollte er zurückbekommen, am besten durch leicht gesalzene Speisen. Aber hier gilt Aßmann zufolge wie immer: alles in Maßen.
Besser mit Shirt als ohne: Ein nackter Oberkörper ist nur scheinbar kühler als ein bekleideter. Studien zeigten, dass Menschen in weiten Baumwoll-Shirts besser mit der Hitze zurechtkommen als Menschen ohne Oberteil, sagt Aßmann. Denn zwischen Stoff und Haut bilde sich eine Luftschicht, die kühlt.
An heißen Tagen steigen die Ozonwerte – und diese verschlimmern die Beschwerden bei Atemwegserkrankungen. Die Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne empfiehlt Patienten mit Asthma, der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenkrebs, sich an heißen Tagen im Haus aufzuhalten. Sie sollten alle Aktivitäten im Freien entweder auf die frühen Morgenstunden oder auf den späteren Abend verlegen.
Babyhaut braucht besonderen Sonnenschutz. „Sie ist dünner als die von Erwachsenen, deshalb nimmt sie auch schneller UV-Strahlen auf“, erläutert Monika Niehaus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Thüringen. Im Alter unter einem halben Jahr sollten Babys soweit wie möglich nicht der Sonne ausgesetzt werden.
Spaziergänge mit dem Kinderwagen sollten Eltern im Sommer am besten vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr unternehmen. Niehaus empfiehlt einen Kinderwagen mit Sonnenschutz. Im Auto kann ein abnehmbarer UV-Schutz für die Fensterscheibe weitere Strahlung abhalten.
Leichte Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, bietet den besten Sonnenschutz. Ein Sonnenhut mit Krempe und Nackenschutz verdeckt die besonders exponierten Stellen: Gesicht, Ohren und Nacken.
