Schon seit Monaten fühlt sich die 45 Jahre alte Frau, die mir gegenüber sitzt, müde und abgeschlagen. Am liebsten würde sie mehrmals am Tag ins Bett gehen, erzählt sie. Früher wäre sie voller Energie gewesen, aber davon ist nicht viel geblieben.

Dass die Schilddrüse normal arbeitet, haben wir bereits herausgefunden. Auch unter einer Blutarmut leidet sie nicht, und ihr Eisenstoffwechsel ist ebenfalls normal. Deshalb sind wir beide fast etwas erleichtert, als wir das Laborergebnis ihres Vitamin-D-Spiegels besprechen, denn der zeigt einen deutlichen Mangel an.

Vitamin D ist eigentlich ein Hormon. Es spielt eine wichtige Rolle für den Knochenstoffwechsel und für das Immunsystem. Seit einiger Zeit wird ein niedriger Vitamin-D-Spiegel mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dazu zählen Bluthochdruck, Herzinfarkt, Demenz, Parkinson und entzündliche Darmerkrankungen.

Ganz sicher aber ist Vitamin D ein Powerhormon und sorgt für Energie im Alltag.

Nur in wenigen Nahrungsmitteln wie fettem Seefisch, Eiern oder Kalbsleber ist es enthalten. Unser Körper muss es sich selber bilden, nämlich auf unserer Haut unter Sonneneinstrahlung. Anders formuliert: Ohne genügend Sonne bekommt unser Körper nicht die Menge Vitamin D, die er braucht. Deshalb spricht vieles dafür, dass die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit aus einem Vitamin-D-Mangel resultiert. Die oft schon nicht gerade üppige Versorgung mit Sonnenstrahlen im Sommer sinkt in der dunklen Jahreszeit meist auf ein Minimum herab.

Andererseits erhöht ein Zuviel an Sonneneinstrahlung das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Das wissen viele Menschen, meiden die Sonne deshalb oder cremen sich zumindest mit einem Sonnenschutz ein, der einen hohen Lichtschutzfaktor hat. Sonnencreme verhindert aber, dass die Sonnenstrahlen Vitamin D auf unserer Haut bilden können. Je höher der Lichtschutzfaktor ist, umso geringer ist die Vitamin-D-Ausbeute aus der Sonne auf Ihrer Haut.

Die Kunst besteht darin, die richtige Balance zu finden zwischen so viel Sonneneinstrahlung, dass der Vitamin-D-Tank gut gefüllt wird und so viel Schutz vor Sonne, dass das Hautkrebsrisiko nicht steigt. Gehen Sie deshalb täglich an die frische Luft, so oft wie möglich und auch bei schlechtem Wetter. Wenn die Sonne scheint, setzen Sie sich auch ruhig der Sonnenbestrahlung aus, anfangs 15 Minuten am Tag. Wenn sie bereits etwas gebräunt sind, darf es auch gern länger sein. Benutzen Sie in unseren Breiten nur dann Sonnencreme, wenn Sie ein regelrechtes Sonnenbad planen oder über Stunden in der prallen Sonne arbeiten müssen.

Sonne ist ein Lebenselixier, sie sorgt über Vitamin- D-Bildung für Energie, stärkt unsere Knochen und unsere Abwehrkraft. Sie steigert aber auch unsere Stimmung, viele Menschen werden an schönen Sommertagen regelrecht euphorisch. Genießen Sie den Sommer so oft er sich in unserer Region wirklich als Sommer zeigt!