Vor einigen Wochen wurde eine 14-jährige Jugendliche mit starken Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Gelbverfärbung der Haut in unserer Klinik stationär aufgenommen. Als Ursache der akuten Erkrankung wurde eine Hepatitis (Leberentzündung) diagnostiziert, die als Begleitreaktion von Infektionen, Vergiftungen oder aber direkt als Folge einer Viruserkrankung auftritt.

Bei der Patientin wurde eine Hepatitis B diagnostiziert. Die Übertragung kann von infizierten Müttern auf Neugeborene erfolgen, später vor allem durch Intimkontakte, seltener durch Schleimhautkontakt mit infektiösem Material. Als einziger Hinweis auf die Ursache der Hepatitis B unserer Patientin fand sich ein Tattoo, das das Mädchen sich mehrere Monate zuvor hatte stechen lassen.

Beim Tätowieren werden Farbstoffe mit Nadeln in die Lederhaut eingebracht. Der Trend zum Tattoo ist ungebrochen. Etwa jeder zehnte Deutsche trägt heute ein Tattoo, bei den unter 30-Jährigen ist es fast jeder dritte. In Deutschland ist es verboten, Personen unter 16 Jahren zu tätowieren, zwischen 16 und 18 Jahren ist Tätowieren mit Einverständnis der Eltern möglich.

Mit dem beginnenden Frühling werden nicht nur jetzt noch unter langärmeliger Kleidung versteckte Tattoos sichtbar, sondern gerade junge Menschen werden überlegen, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Den wenigsten sind die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken bewusst.

Das Einstechen der Nadel verletzt die Haut und macht Schmerzen. Im Verlauf kann es zu Wundheilungskomplikationen kommen. Neben Wundinfektionen können durch verunreinigte Tätowiernadeln als schwerwiegendste Komplikation chronische und lebensbedrohende Krankheiten übertragen werden, wie Hepatitis B und C, aber auch Tetanus, HIV (Aids) und Pilzinfektionen. Eine Studie in den USA hat bei Tätowierten festgestellt, dass diese neunmal häufiger mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert waren als Menschen ohne Tattoos.

Ungeklärt ist das Risiko durch die in den Tätowierfarben enthaltenen Farbstoffe. Sie müssen wasserunlöslich sein, damit das Tattoo nicht ausbleicht. Viele Pigmente stammen aus der Industrie, etwa für Autolacke. Die Farben können allergieauslösende Substanzen wie Nickel enthalten. In einigen gelben Farbstoffen wurden Cadmiumsalze nachgewiesen, die in der Sonne starke Hautreizungen auslösen können.

In Deutschland sind seit 2009 die besonders gesundheitsschädlichen Azofarbstoffe verboten, aber es gibt keine einheitliche Regulierung für Tätowierfarben, und daher ist nicht auszuschließen, dass beim Tätowieren auch krebserregende und erbgutschädigende Stoffe unter die Haut kommen.

Unter Einwirkung der UV-Strahlung können gesundheitsschädliche Spaltprodukte entstehen, die aus der Haut herausgelöst werden und in die Blut- und Lymphgefäße gelangen. Welche langfristigen Folgen das für den Organismus hat, ist nicht absehbar.

Prinzipiell ist bei gerade bei offen sichtbaren Tattoos zu bedenken, dass auch Tattoos rasch wechselnden Moden unterliegen. Nicht alles, was in der Jugend top ist, gefällt einem noch als jungem Erwachsenen, etwa beim ersten Bewerbungsgespräch. Ein Tattoo mittels Laser entfernen zu lassen, ist aufwendig, gelingt nicht immer vollständig, kann Narben und Pigmentstörungen hinterlassen und ist sehr kostspielig.