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nordwest-zeitung

ÜBERGEWICHT Kampf gegen überflüssige Pfunde

JÖRG BAMBYNEK

Matthias ist 17. Als er vor drei Jahren in einer Kur war, hatte er deutlich abgenommen – wovon heute leider nichts mehr zu sehen ist. Auch seine Mutter kämpft immer wieder mit ihrem Gewicht. Matthias Vater dagegen ist schlank, kann essen was er will. Ein noch größeres Problem für die Eltern ist Matthias’ 14-jähriger Bruder Michael. Verschlossen und häufig allein, hat er sich einen „noch dickeren Panzer angefuttert“ als Matthias.

Matthias Familie ist vielleicht typisch, denn Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen breitet sich immer weiter aus. Wenn Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Adipositas (Fettsucht) als der „globalen Epidemie des aktuellen Jahrhunderts“ sprechen, dann sind die Ursachen meist schnell benannt: zu kalorienreiche Nahrung und zu wenig Bewegung. Doch auch genetische Faktoren (unsere Veranlagung) müssen – das zeigt uns Matthias Vater – einen Einfluss haben.

Dass frühes Übergewicht mit höherer Wahrscheinlichkeit den Weg für spätere chronische Krankheiten bereitet, ist bekannt. Ebenso, dass Erfolg versprechende Programme an der Lebensweise des Einzelnen und auch am Lebensumfeld von allen ansetzen sollten. Multidisziplinär heißt das „Zauberwort“, und Experten sehen in den Kinder- und Jugendärzten wichtige Lotsen im Gesundheitssystem.

Doch auch bewusste Eltern und aufmerksame Erzieher oder Lehrer sind häufig wertvolle Impulsgeber. Ob vorbeugend oder therapeutisch, gute Konzepte verbinden heute das Training von Ernährungs- und Bewegungsverhalten mit einer Stärkung von Selbstbewusstsein, Selbstwert und Eigenverantwortlichkeit.

Wie gering das Selbstwertgefühl vieler Kinder ist, erfährt Ökotrophologin Sandra Walther in ihrer täglichen Praxis. Sie bietet seit einigen Jahren in Oldenburg mit der „KIDS-Ernährungsschulung“ ein Konzept an, in dem Ernährungsfachkräfte, Sporttherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychologen mit den ansässigen Ärzten eng zusammenarbeiten. Auf ärztliche Verordnung und unterstützt durch die Krankenkasse verpflichten sich Kinder für 18 Monate zu einem, so Walther, „straffen Programm, das auch den Eltern einige Verantwortung abverlangt“.

Kinder und Eltern brauchen:

– gezielte Anleitung, z.B. beim Erstellen von Einkaufslisten oder Essensplänen

– konkrete Anregung, z.B. sich eigene Gewohnheiten bewusst zu machen

– persönliche Anerkennung, z.B. für die Entscheidung, täglich mit dem Rad statt mit dem Bus zu fahren.

Nach Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Uni Bielefeld, entspricht dies „dem pädagogischen Prinzip, Kinder durch eine Kombination von Fordern und Fördern für das Leben stark zu machen“.

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