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NWZonline.de Region

Wissenschaft: Wenn die Welt auf Oldenburg hört

04.12.2013

Oldenburg Wenn’s ums Hören geht, kommt man in Deutschland an Oldenburg nicht vorbei. Dafür hat Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier gesorgt. Doch nicht nur in der deutschen Hochschullandschaft genießt der Physiker und Mediziner einen exzellenten Ruf, er ist einer der meist beachteten und geachteten Hörforscher der Welt.

Und im Jahr 2012 ließen Kollmeier und seine Mitstreiter (nicht nur) die Fachwelt aufhorchen. Im Juni 2012 konnten die Oldenburger in Zusammenarbeit mit den beiden Hochschulen in Hannover die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder für sich entscheiden. „Wir können jetzt unsere Arbeit unter neuen Rahmenbedingungen zum Wohl der Schwerhörigen fortsetzen. Das betrifft vor allem die Ausstattung und die Zahl der Mitarbeiter.“

34 Millionen Euro für fünf Jahre hatten die Hörforscher bei der Deutschen Forschungsgesellschaft beantragt, 28 Millionen sind es letztendlich geworden. Trotzdem bedeutet dies 60 zusätzliche Stellen in Oldenburg, 40 in Hannover. Das Programm heißt „Hearing4All“ – auf Deutsch: Hören für alle. Denn das ist das Ziel: „Wir wollen in den nächsten 20 Jahren das Problem lösen.“

Keine Alterserscheinung

Und der Oldenburger Hörforscher ist Schritt für Schritt vorangekommen. Bis in die 90er Jahre waren Hörsysteme primär auf die Versorgung jedes einzelnen Ohrs ausgerichtet. Das Forscherteam um Kollmeier hat mit seinen Entwicklungen zu einem entscheidenden Umdenken in der gesamten Branche beigetragen.

„Im ersten Schritt mussten wir zunächst die komplexen Abläufe des natürlichen Hörens verstehen und darauf aufbauend erste Rechenverfahren für Hörsysteme entwickeln, die diese Prozesse für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung übernehmen“, beschreibt Birger Kollmeier.

In Deutschland leidet jeder Sechste unter einem verminderten Hörvermögen. Hörprobleme sind weit verbreitet – vor allem bei der Generation 60+, bei der etwa jeder Zweite darunter leidet. Doch das Phänomen ist keine reine Alterserscheinung.

Auch Jugendliche und Kinder verfügen oft über ein eingeschränktes Hörvermögen. Fast jedes 100. neugeborene Kleinkind hat bereits eine Hörschädigung und benötigt möglichst früh eine Hörhilfe, um normal sprechen und mit der Umwelt kommunizieren zu lernen. Die bislang gebräuchlichen Hörgeräte verbessern zwar die Situation der Betroffenen, doch die Technik stößt mitunter an ihre Grenzen.

Individuelle Diagnostik

So ist in Räumen mit Nachhall, bei mehreren durcheinanderredenden Menschen oder lauten Hintergrundgeräuschen trotz Hörhilfe oft nur ein unverständliches Gewirr von Stimmen und Geräuschen zu vernehmen.

Doch die Forscher gehen weiter. „Durch eine Verbesserung der individualisierten Hör-Diagnostik und der darauf angepassten Versorgung mit persönlichen Hörhilfen wollen wir die Kommunikationssituation der Betroffenen entscheidend verbessern – sei es bei der Arbeit, im Verkehr oder zu Hause.“ Um dies zu erreichen, werden  innovative  Verarbeitungskonzepte für Hörgeräte und Hörimplantate ebenso weiterentwickelt wie ,assistive’ Technologie für jedermann – also das Hörgerät in jedem Smartphone, Fernseher oder Autoradio.

Um ihre Ziele zu erreichen arbeiten die Hörforscher eng mit Sonderpädagogen, Informatikern, Psychologen, Physikern und Hirnforschern zusammen. „Wir wollen zu den drei Besten der Welt auf unserem Gebiet gehören. Das Ziel erscheint uns durchaus machbar“, betont der Physiker und Arzt, der für seine Arbeit schon früh mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.

Im Jahr 2001 erhielt er den Forschungspreis Technische Kommunikation für seine Forschung zur hörgerechten Sprachverarbeitung, 2011 den Wissenschaftspreis Niedersachsen und 2012 den International Award der American Academy of Audiology zugesprochen.

Deutscher Zukunftspreis

Der zweite große Erfolg vor einem Jahr: Das Hörforscher-Team um den Oldenburger Physiker und Mediziner Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier gewann den Deutschen Zukunftspreis. Bundespräsident Joachim Gauck überreichte am 28. November 2012 in einer vom ZDF übertragenen Gala den Preis an Kollmeier, Prof. Dr. Volker Hohmann (beide Universität Oldenburg, Exzellenzcluster „Hearing4all“) und Dr. Torsten Niederdränk (Siemens AG).

Der Bundespräsident verleiht den Zukunftspreis jährlich für herausragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovationen. Er ist mit 250 000 Euro dotiert. Kollmeier und seinem Team gelang es, die entscheidenden Vorteile des beidohrigen Hörens auf die Hörsystemtechnologie zu übertragen – und damit die Technologie von Hörsystemen entscheidend zu verbessern.

Haus des Hörens

„Der Deutsche Zukunftspreis ist eine großartige Anerkennung unserer Arbeit. Es ist unser zentrales Anliegen, Produkte und Innovationen zu entwickeln, die dem schwer hörenden Menschen nutzen“, so Birger Kollmeier. Der Preis des Bundespräsidenten gilt auch als Qualitätssiegel für die künftige Vermarktung. Ein gemeinsames Dach finden alle Hörforscher in Oldenburg im Haus des Hörens. Bundesweit einmalig ist der Kommunikationsakustik-Simulator: Ob Bahnhofshalle, Kölner Dom oder Klassenraum – jeder beliebige Raum kann hier akustisch simuliert werden.


Mehr Infos unter   www.zentrumfuerhoerforschung.uni-oldenburg.de 
Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
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