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NWZonline.de Sport Fußball 1.Bundesliga Werder Bremen

Nach 1:2 In Augsburg: Werders Ängste wachsen immer weiter

03.02.2020

Augsburg /Bremen Florian Kohfeldt strahlte bei der sachlichen Analyse der sportlichen Tristesse demonstrativ Ruhe aus, lässig steckten seine Hände in den Hosentaschen. Aufgeben kommt für den 37-Jährigen nicht in Frage – auch nicht nach der abermals enttäuschenden Leistung von Werder Bremen bei der absolut verdienten 1:2 (1:0)-Niederlage beim FC Augsburg.

„Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Mannschaft nicht mehr das Gefühl hat, dass es die besten Lösungen sind, würde ich das Gespräch suchen und fragen, ob das so ist. Dieses Gefühl ist bislang nicht zu einer Sekunde bei mir aufgekommen“, erklärte der Coach des Fußball-Bundesligisten von der Weser mit jener Entschlossenheit, die seine Spieler auf dem Rasen erneut nicht zeigen konnten: „Zurücktreten ist Weglaufen. Ich werde nicht weglaufen, unter keinen Umständen.“

Verheerende Bilanz

Dabei ist die Bilanz des ausgezeichneten „Trainer des Jahres 2019“ in dieser Spielzeit verheerend. 17 Punkte hat Werder nach 20 Spielen auf dem Konto, steht weiter auf dem Relegationsplatz 16. Der Abstand zum unteren Mittelfeld wächst weiter, nur Platz 15 (Mainz) ist wirklich in Reichweite. Die Abwehr präsentierte sich auch in Augsburg fehlerhaft, der Sturm trotz der Startelf-Debütanten Davie Selke (am Freitag aus Berlin verpflichtet) und Nick Woltemade (17, aus der eigenen Jugend) ideen- und harmlos.

„Wir müssen das abhaken und in jedem Spiel alles raushauen, um die Klasse zu halten. Wir wissen, wie ernst die Lage ist, aber wir bleiben positiv“, sagte der 25-jährige Selke, der zwar durchaus vorn präsent war, an Werders Sturmflaute jedoch auch nichts ändern konnte. Bezeichnend war, dass der Bremer Treffer erneut durch ein Eigentor des Gegners (Tin Jedvaj, 23. Minute) zustande kam. Die einzigen beiden Bremer Treffer der Rückrunde resultierten damit aus Eigentoren.

Dass Kohfeldt in Milot Rashica, Selke und Woltemade („Nick hat über sechs Wochen im Training außergewöhnliche Leistungen gezeigt und sich diesen Einsatz verdient“) eigentlich sehr offensiv aufgestellt hatte, machte sich im Spiel überhaupt nicht bemerkbar. Vor allem in der zweiten Halbzeit wurde Werder immer schwächer, die Augsburger drückten und drehten die Partie vollauf verdient.

„Mache mir Sorgen“

Kohfeldt sprach nach der erneuten Enttäuschung und den Gegentoren durch Florian Niederlechner (67.) und Ruben Vargas (82.) bemerkenswert offen über seine Gefühlswelt. Dass sich Kritik von Fans und Umfeld gegen ihn richtet, kann der Coach „natürlich“ verstehen. Wenn er aber als Bremer Anhänger „Insiderkenntnisse“ hätte, wüsste er, „mit welcher Leidenschaft, mit welchem Einsatz und mit wie viel Kreativität der Trainer versucht, alles rauszuholen“. Er selbst wäre „als Werder-Fan nicht genervt vom Werder-Trainer“, lautete sein fast schon erstaunliches Plädoyer für sich selbst.

„Ich bin Werder-Trainer und Werder-Fan“, meinte Kohfeldt überdies. Als Trainer versuche er souverän zu bleiben, Mannschaft, Coach und Geschäftsführung stünden eng zusammen. „Als Werder-Fan mache ich mir Sorgen“, gestand der 37-Jährige. Jeder könne sich sicher sein, dass er sich selbst „extrem kritisch“ hinterfrage und versuche, „Lösungen zu finden“. Es bereite ihm „Kopfzerbrechen, dass wir es in keiner Partie geschafft haben, unser Spiel über die gesamte Zeit durchzuziehen.“

Während Kohfeldt die Niederlage tief in den Knochen steckte, machte Frank Baumann das, was er zuletzt immer tat. „Wir haben keine Zweifel an Florian“, bekräftigte der Bremer Sportchef, dass er auch im Pokalspiel an diesem Dienstag (20.30 Uhr) gegen die furios spielende Borussia aus Dortmund, dann im so wichtigen Ligaspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Union Berlin sowie in den Partien danach auf seinen Chefcoach setzt.

Baumann sprach von einer „dramatischen Lage“. Es liege aber nicht am Einsatz, „die Mannschaft will auf alle Fälle, aber wir sind nicht clever und mutig genug“.

Lars Blancke

Frank Baumann hat in dieser Woche eine Botschaft gesendet, die angesichts der verheerend schlechten Saison des SV Werder außergewöhnlich anmutet. „Florian ist und bleibt der richtige Trainer für uns“, sagte der Sportchef über seinen Coach Florian Kohfeldt. Wohl an kaum einen anderen Standort in der Bundesliga würde ein Manager derart bedingungslos hinter einem Trainer stehen, der vor der Saison das Ziel Europapokal anvisiert hat, nun aber dem Abstieg entgegentaumelt.

Baumann und Kohfeldt haben eine innige, vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehung. Sie passt perfekt nach Bremen, da waren sich sehr viele Beobachter einig. Und sie wird lange Bestand haben, mutmaßten etliche.

Die Zeit dieser Überzeugung ist nun abgelaufen. Vielmehr steht die Beziehung vor einer Zerreißprobe, an der der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte hängen könnte. Baumann muss sich hinterfragen, ob und wie lange er um jeden sportlichen Preis an Kohfeldt festhalten kann. Und der Trainer selbst, der uneingeschränktes Vertrauen genießt, muss ergründen, ob er die Mannschaft so erreicht, wie er es sich vorstellt – oder ob er sogar selbst die Reißleine ziehen muss.

Kohfeldts Statement in eigener Sache nach der Pleite in Augsburg jedenfalls zeigt, dass der Trainer das Gefühl hat, er muss seine Arbeit verteidigen. Ein Coach, der versichert, als Werder-Fan wäre er nicht genervt von sich, kommt mindestens gewöhnungsbedürftig daher. Einige Erklärungen, wie die Verletztenproblematik, klingen zunehmend nach Ausreden.

Kohfeldts Argumente werden zweifellos immer weniger. Er bekommt seine Abwehr nicht gestellt. Er hat eine Offensive, die nicht funktioniert. Werder hat nicht nur Pech, sondern präsentiert sich seit Wochen wie ein Absteiger. Normalerweise würde an dieser Stelle nun die Phrase kommen, dass dem Trainer letztlich nur Ergebnisse helfen. Aber der Liga-Standort in Bremen ist eben kein ganz gewöhnlicher.

Zerreißprobe einer innigen Beziehung

Wie lange darf Trainer Kohfeldt mit Werder Bremen noch verlieren?

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Lars Blancke Redakteur / Sportredaktion
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