Berlin - Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sprach von einem „Beitrag“ zur Überwindung der Krise, der Kölner Geschäftsführer Horst Heldt von „populistischen Scheißausdrücken“. In Fußball-Deutschland ist eine Diskussion über die Solidarität der Profis entbrannt. Forderungen, wonach hoch bezahlte Stars in den Zeiten der Corona-Pandemie auf Teile des Gehalts verzichten sollen, erregen Aufsehen. „Ich fände es in Ordnung, wenn Spieler, die ganz große Gehälter bekommen, zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebes gegenüber ihrem Arbeitgeber, ihren Vereinen, ein bisschen zurückhaltender wären mit dem Geld“, sagte Söder der „Bild“.

Erste Reaktionen aus dem Sport ließen nicht lange auf sich warten – und waren kontrovers. „Ich weiß, dass Fußballprofis ein soziales Gewissen haben. Ich finde es unverschämt, das öffentlich zu diskutieren und infrage zu stellen“, kommentierte Heldt.

Dagegen hält Christian Seifert die Vorschläge des bayerischen Ministerpräsidenten für nachvollziehbar. „Was Markus Söder gesagt hat, ist das, was viele Menschen denken“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga. Er wisse „von Clubs, die längst mit ihren Spielern darüber sprechen und vielleicht schon umgesetzt haben. Viele Akteure müssen ihren Beitrag leisten.“

Das sieht Samir Arabi ähnlich. „Es gibt in dieser Situation keine Denkverbote mehr. Es geht um vielmehr als um Einzelschicksale“, sagte der Sport-Geschäftsführer des Zweitliga-Spitzenreiters Arminia Bielefeld dem „Westfalen-Blatt“. Auch Werder Bremen hält Gespräche über einen Gehaltsverzicht für denkbar. „Wenn gar nicht mehr gespielt werden kann, ist das sicherlich auch ein Thema“, wird Geschäftsführer Klaus Filbry im „Weser-Kurier“ zitiert. „Wir müssen aber abwarten, wie sich die Situation grundsätzlich entwickelt. Wenn die Saison zu Ende gespielt werden kann, mit oder ohne Zuschauern, dann kann sich die Situation auch wieder entspannen“, sagte der 53-Jährige.

Eine juristische Handhabe, einem Profi trotz der durch die Corona-Pandemie verursachten Einbußen weniger Gehalt zu zahlen, haben die Vereine nicht. „Ohne die Zustimmung eines Spielers, ist eine Kürzung des Gehalts nicht zulässig“, sagte der auf solche juristischen Fragen spezialisierte Rechtsanwalt Andrej Dalinger in einem Sport1-Interview. Wollen Spieler von sich aus auf Teile ihres Gehalts verzichten, müsse das mit jedem „einzelnen Spieler individuell“ ausgehandelt werden.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion