Bremen - Es ist eine ganz neue Situation, der sich Werder Bremen stellen muss. Wie hält man die Spannung, obwohl es rein sportlich um kaum noch etwas geht? „Das Messer am Hals“ sei nicht mehr zu spüren, gab Trainer Florian Kohfeldt am Dienstag nach Monaten des Dauerdrucks im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zu. Die inzwischen 36 geholten Punkte werden reichen, um nicht mehr in den Tabellenkeller zu rutschen. Sie genügen gleichwohl aber nicht, um noch ein Wörtchen im Rennen um die internationalen Plätze mitzureden.
Also abschalten? Nicht mit dem Trainer. „Ich weigere mich, die Saison ausklingen zu lassen. Ich glaube, man muss das vorleben, das ist mein Anspruch an mich selbst“, sagte der 35-Jährige vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (18 Uhr) gegen RB Leipzig. Alles, was in den letzten Wochen der laufenden Saison passiere, habe Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung sowie die kommende Saison.
„Das ist ein Anspruch an uns als Trainerteam und den gesamten Verein, zu sagen: Nein, wir sind nicht zufrieden jetzt. Wir wollen uns weiterentwickeln. Dafür müssen wir jedes Spiel nutzen“, legte der Fußballlehrer energisch nach. Mit einem kleinen Lächeln fügte er hinzu: „Auch ich freue mich, wenn wir im Juni mal eine Phase haben, in der ich mich an den Strand lege und mir nur noch von meiner Frau und Tochter etwas sagen lassen muss. Aber das ist jetzt noch nicht soweit.“
Kohfeldts Intention ist klar: „Larifari“ duldet er gegen den Vizemeister aus Sachsen, dann in Stuttgart, gegen Dortmund und Leverkusen sowie in Mainz nicht. Und dafür nimmt er nach der unnötigen 1:2-Niederlage in Hannover nicht nur sich, sondern auch seine routinierten Profis in die Pflicht. „Diese Vorbildfunktion muss auch von den erfahrenen Spielern ausgehen. Dass sie die Gruppe zusammenhalten und sagen, es ist noch nicht vorbei, es geht um unsere Entwicklung“, betonte Kohfeldt und nannte Stützen wie Max Kruse, Zlatko Junuzovic, Niklas Moisander und Thomas Delaney, die diese Rolle ausfüllen sollen.
Stürmer Aron Johannsson und Verteidiger Ludwig Augustinsson können wohl nicht dabei helfen, gegen Leipzig Kohfeldts Heimnimbus (keine Niederlage im Weserstadion) aufrecht zu erhalten. „Ich habe noch eine Resthoffnung, aber die Tendenz ist eher negativ“, sagte der Trainer mit Blick auf seine angeschlagenen Spieler. US-Angreifer Johannsson plagt eine Knöchelverletzung, Schwede Augustinsson hat mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen.
